ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-209-003 · ATLAS 250

Aenos

Rätselhafte, häufig als Tierfabel gestaltete Kurzerzählung oder Fabelanspielung mit moralischem Sinn.

Vertiefung

Aenos gibt seine Lehre nicht als direkten Satz aus. Eine knappe Fabel, ein rätselhaftes Bild oder ein daraus entnommener Spruch zwingt dazu, die moralische Beziehung selbst zu erschließen. Der Umweg schützt die Aussage, erweitert aber auch ihren Deutungsspielraum.

Beispiel

Der Vogel verspottete den Käfig, bis der Sturm kam und er keinen Ast mehr fand.

Gegenbeispiel

Sicherheit und Freiheit müssen gegeneinander abgewogen werden. – Die Lehre wird unmittelbar formuliert, nicht fabelhaft verrätselt.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Verlagert moralisches Urteilen in eine indirekte Bildhandlung und macht die eigene Deutungsleistung zum Teil der Überzeugung.

Resonanz

Die Lehre bleibt im Bild verborgen und kehrt bei jeder neuen Deutung in anderer Tonlage zurück.

Etymologie

griechisch aînos · Erzählung, Spruch, Fabel, Lob

Provenienz

Klassische Beispiel- und Lehrfiguren → Primärtext und Handbuchvergleich → Funktionsabgrenzung → ATLAS_209

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Aenos“. Atlas der Sprache, AT-RHE-209-003. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-209-003

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