ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-209-004 · ATLAS 250

Parabola

Ausgeführte moralische Vergleichserzählung, die zwischen zunächst verschiedenen Bereichen eine lehrhafte Parallele herstellt.

Vertiefung

Parabola legt zwei Bereiche nebeneinander und lässt eine Handlung, Alltagsszene oder Naturbeobachtung für eine moralische oder geistige Frage lesbar werden. Anders als eine einzelne Vergleichsformel entfaltet sie die Beziehung über eine kleine Erzähl- oder Bildfolge; die Übertragung bleibt dennoch selektiv und darf nicht als vollständige Identität gelesen werden.

Beispiel

Ein Gärtner goss nur die sichtbarsten Blüten; im nächsten Jahr fehlten ihm die Wurzeln, die den ganzen Garten getragen hatten.

Gegenbeispiel

Unsichtbare Grundlagen verdienen Aufmerksamkeit. – Die Lehre wird direkt behauptet, ohne vergleichende Erzählung.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Erlaubt, eine Haltung in einem fremden Erfahrungsraum probeweise zu durchdenken, ohne sie sofort abstrakt festzuschreiben.

Resonanz

Zwei ungleiche Erfahrungsräume beginnen entlang einer ausgewählten Beziehung miteinander zu antworten.

Etymologie

griechisch parabolḗ · Danebenwerfen, Vergleich

Provenienz

Klassische Beispiel- und Lehrfiguren → Primärtext und Handbuchvergleich → Funktionsabgrenzung → ATLAS_209

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Parabola“. Atlas der Sprache, AT-RHE-209-004. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-209-004

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-209-004

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.