ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-W0048 · ATLAS 250

Synästhesie

Sprachliche Verbindung von Eindrücken, die unterschiedlichen Sinnesbereichen zugeordnet werden.

Vertiefung

Ein Klang kann als warm, eine Farbe als laut beschrieben werden. Die sprachliche Form ist von neurologischer Synästhesie zu unterscheiden: Sie kann allgemein verständlich sein, ohne stabile gekoppelte Sinnesempfindungen.

Beispiel

Ein samtiger, dunkelblauer Ton füllte den Raum.

Gegenbeispiel

Der Ton war tief beschreibt eine konventionalisierte Höreigenschaft.

Abgrenzung

Neurologische Synästhesie ist eine Wahrnehmungskopplung; die Stilfigur eine sprachliche Übertragung.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Sie lockert die Grenzen der Sinnesordnungen und verdichtet Wahrnehmung zu einem gemeinsamen Erlebnisraum.

Resonanz

Ein Sinneskanal bringt einen anderen zum Mitschwingen.

Etymologie

griech. sýn: zusammen + aísthēsis: Wahrnehmung

Provenienz

Kandidatenbank K-0048 → ATLAS_035; Poetik → Wahrnehmungspsychologie

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Synästhesie“. Atlas der Sprache, AT-RHE-W0048. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-W0048

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