ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G04-020

Objektbezug

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Objektbezug bezeichnet im semiotischen Herkunftskontext die Beziehung, durch die ein Zeichen von etwas handelt oder auf etwas verweist. Dieses Objekt muss kein greifbarer Gegenstand sein; auch ein Ereignis, eine Möglichkeit oder ein fiktionaler Sachverhalt kann im jeweiligen Modell Gegenstand des Zeichengebrauchs werden. Der Interpretant ist davon zu unterscheiden: Er bezeichnet nicht einfach das Objekt, sondern eine vermittelnde Deutung oder Zeichenwirkung. Die genaue Fassung dieser Beziehungen hängt von der semiotischen Theorie ab. Der Eintrag führt deshalb in die Beziehungsfrage ein, ohne einen physischen Zeigepfeil zwischen Zeichen und Sache als vollständige Erklärung vorauszusetzen.

Denkbewegung

1. Das verwendete Zeichen wird bestimmt. 2. Sein möglicher Gegenstand wird beschrieben. 3. Die vermittelnde Interpretation wird rekonstruiert. 4. Alternative Gegenstandsbezüge werden geprüft. 5. Das theoretische Modell wird ausdrücklich benannt.

Beispiel

Ein Lageplan kann auf ein noch nicht errichtetes Gebäude bezogen sein. Sein Gegenstand ist damit nicht einfach ein bereits vorhandenes Bauwerk vor Ort.

Gegenprobe

Die Empfindung, die ein Zeichen auslöst, ist nicht ohne Weiteres identisch mit dem Gegenstand, auf den es verweist.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Semiotische Forschung kann Objektbezug und Interpretationsverlauf getrennt annotieren und ihre wechselseitige Abhängigkeit untersuchen.

Wirkung

Der Begriff verhindert, dass Zeichenwirkung und Gegenstand unterschiedslos zusammenfallen.

Resonanz

Ein Zeichen öffnet einen Bezug, dessen Ziel nicht vor unseren Augen stehen muss.

Abgrenzung

Objektbezug von Interpretant, bloßer Assoziation, physischer Ähnlichkeit und grammatischem Objekt unterscheiden.

Quellen