Kontexterklärung · NAV-G05-015
Sprechergemeinschaft
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Sprechergemeinschaft bezeichnet hier eine soziale Gruppierung, deren Mitglieder kommunikative Praktiken und Erwartungen in relevanter Weise teilen. Gemeinsame Grammatik oder geografische Nähe allein reichen dafür nicht notwendig aus. Eine solche Gemeinschaft kann mehrsprachig, intern vielfältig und mit anderen Gemeinschaften überlappend sein. Welche Normen geteilt werden und wie Zugehörigkeit entsteht, muss am konkreten Material gezeigt werden. Für diesen Eintrag ist die gemeinsame kommunikative Praxis das maßgebliche Kriterium. Zwei Benennungen wie Sprechergemeinschaft und Sprachgemeinschaft allein begründen noch keine zwei getrennten sozialen Kategorien.
Denkbewegung
1. Kommunikationspraxis bestimmen. 2. Geteilte Erwartungen untersuchen. 3. Innere Unterschiede erfassen. 4. Zugehörigkeitsgrenzen prüfen. 5. Begriffsverwendung offenlegen.
Beispiel
Ein Arbeitsteam kann gemeinsame Erwartungen an Rückfragen entwickeln. Ob es damit auch als Sprechergemeinschaft beschrieben werden kann, muss die Untersuchung seiner kommunikativen Normen zeigen; gemeinsame Arbeit allein genügt dafür nicht.
Gegenprobe
Alle Menschen, die dieselbe Sprache beherrschen, bilden nicht automatisch eine einzige einheitliche Sprechergemeinschaft.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Ethnografische Forschung kann Normen anhand wiederkehrender Interaktionen rekonstruieren.
Wirkung
Der Begriff rückt geteilte Praxis neben sprachliche Formen.
Resonanz
Gemeinsam sprechen heißt auch, Erwartungen aneinander zu entwickeln.
Abgrenzung
Sprechergemeinschaft von bloßer Sprachkenntnis und homogener Nation unterscheiden. Das Verhältnis zur Bezeichnung Sprachgemeinschaft hängt von den jeweils verwendeten Kriterien ab.
Quellen
- Penelope Eckert: Linguistic Variation as Social Practice, chapter 1
Sections 1.4–1.5, PDF pages 21–23 (printed chapter pagination); not the complete book
specified-passages-read - EN:oer-social-meaningdocumented-source-register
- Penelope Eckert (2000), Linguistic Variation as Social Practice, chapter1
§§1.4–1.5, printed pp.21–23, lines890–1006
specified-passages-read - Penelope Eckert / Sally McConnell-Ginet (1992), Communities of practice: Where language, gender, and power all live
§3, PDF pp.7–8, retrieved lines268–319
specified-passages-read