ATLAS DER SPRACHE

AT-ADD-20261020-0058 · ATLAS 261

Kommunikative Kompetenz

Kommunikative Kompetenz bezeichnet Wissen und Können, mit denen Menschen sprachliche und weitere zeichenhafte Mittel in konkreten Situationen verstehen, auswählen, einsetzen und an Gesprächspartner oder Aufgaben anpassen. Welche Teilfähigkeiten dazu gerechnet werden, hängt vom theoretischen Modell und Anwendungsbereich ab.

Teil des Themenwegs Pragmatik und Gespräch

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Register beschreibt Gebrauchserwartungen, Konversationsanalyse untersucht beobachtbare Interaktionsorganisation und interkulturelle Kommunikation unterschiedliche Erwartungshorizonte. Kommunikative Kompetenz verbindet dagegen die Frage nach verfügbaren Fähigkeiten mit ihrem situationsbezogenen Einsatz. Der Mehrwert liegt auch in einer Warnung: Eine einzelne stockende Antwort erlaubt kein Urteil über das gesamte Können einer Person; gelingende Verständigung ist zudem eine Leistung mehrerer Beteiligter und ihrer Bedingungen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Sprachliches Können zeigt sich nicht nur in fehlerfreien Sätzen. Auch das Erkennen eines Missverständnisses, eine passende Erläuterung und die Prüfung des Verstehens gehören je nach Modell dazu. Eine einzelne Leistung erlaubt kein Gesamturteil. Institutionelle Regeln, Zeitdruck und fehlende Zugänglichkeit können vorhandene Fähigkeiten verdecken; Verständigung bleibt außerdem eine gemeinsame Leistung und keine bloße Einzelprüfung.

Denkbewegung

1. Nicht nur nach der sprachlichen Richtigkeit fragen, sondern nach Handlung, Adressierung und Verstehen. 2. Dann untersuchen, welches Wissen und welche Ressourcen die Beteiligten nutzen, wie sie Unklarheit erkennen und wie sie nachsteuern. 3. Anschließend die Leistung von den Bedingungen trennen: Zeitdruck, unbekannte Regeln, unzugängliche Medien oder fehlende Antwortmöglichkeiten können vorhandenes Können verdecken. 4. Dieser Analyseweg ist eine Atlasanwendung, kein standardisierter Kompetenztest.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Vorgeschlagene Interaktionsanalyse: Aufnahme und Reparatur einer Erläuterung im Gesprächsverlauf untersuchen. Ein Kompetenztest bräuchte darüber hinaus ein ausgewiesenes Modell und geprüfte Aufgaben.

Beispiel

In einem erfundenen Werkstattgespräch erklärt eine Fachperson: „Die Toleranz ist überschritten.“ Die andere Person versteht Toleranz zunächst als Geduld. Die Fachperson bemerkt den anderen Sinn, zeigt auf das Werkstück und erläutert: „Ich meine hier die erlaubte Maßabweichung.“ Die Reparatur ist keine bloße Vereinfachung: Sie verbindet Fachwissen, Perspektivenübernahme und die Prüfung, ob beide nun über dasselbe sprechen.

Gegenbeispiel

Kommunikative Kompetenz ist weder Schlagfertigkeit noch Anpassung um jeden Preis oder die bloße Fähigkeit, andere zu überzeugen. Verständigung kann trotz kompetenten Handelns misslingen. Fähigkeit, beobachtete Leistung und institutionelle Berechtigung sind zu unterscheiden. Aus dem HWdR werden insbesondere die pauschale Gleichsetzung von Kompetenz mit ausschließlich Erlerntem, die stark vereinfachte Evolutionschronologie und Verallgemeinerungen über den Niedergang ganzer linguistischer Schulen nicht übernommen.

Abgrenzung

Register: Register ist eine situationsgebundene Verwendungsordnung. Kompetenz betrifft unter anderem, solche Erwartungen zu erkennen, begründet zu wählen und gegebenenfalls zu verändern. Konversationsanalyse: Konversationsanalyse ist ein empirischer Untersuchungsansatz. Kommunikative Kompetenz bezeichnet nicht die Methode, sondern modellabhängig Fähigkeiten und Wissen, die in Interaktion relevant werden. Interkulturelle Kommunikation: Unterschiedliche kulturelle Erwartungen bilden einen wichtigen Anwendungsbereich. Kommunikative Kompetenz ist weder auf Begegnungen verschiedener Nationalitäten beschränkt noch eine Liste angeblich fester Kulturregeln.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Bewertung richtet sich auf situationsbezogene Ressourcen statt ausschließlich auf Flüssigkeit und Korrektheit.

Resonanz

Ein Missverständnis kann zum gemeinsamen Perspektivenabgleich werden, statt jemanden als sprachlich unzureichend festzulegen.

Etymologie

Kommunikative Kompetenz ist eine fachsprachliche Wortverbindung. Ihre Bestandteile liefern noch keine modellunabhängige Einteilung sämtlicher Fähigkeiten.

Provenienz

Das Dossier verbindet historische Modellauseinandersetzungen mit einer institutionellen CEFR-Kontrolle. Die dortigen Teilkompetenzen sind ein benannter Ansatz, keine abschließende Anthropologie.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Kommunikative Kompetenz“. Atlas der Sprache, AT-ADD-20261020-0058. ATLAS 261, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-ADD-20261020-0058

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-ADD-20261020-0058

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-20. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.

Leitfrage

Was muss jemand außer Wörtern und Grammatik können, damit Verständigung in einer konkreten Situation möglich wird?

Fünf Koordinatenfragen

Diese Beschreibungen erläutern das Profil. Sie sind keine kontrollierten Registerwerte und erzeugen keine gemeinsamen Registertreffer.

Woran ist der Vorgang beobachtbar?

In einem erfundenen Werkstattgespräch erklärt eine Fachperson: „Die Toleranz ist überschritten.“ Die andere Person versteht Toleranz zunächst als Geduld. Die Fachperson bemerkt den anderen Sinn, zeigt auf das Werkstück und erläutert: „Ich meine hier die erlaubte Maßabweichung.“ Die Reparatur ist keine bloße Vereinfachung: Sie verbindet Fachwissen, Perspektivenübernahme und die Prüfung, ob beide nun über dasselbe sprechen.

Was geschieht mit dem Material?

Nicht nur nach der sprachlichen Richtigkeit fragen, sondern nach Handlung, Adressierung und Verstehen.

Dann untersuchen, welches Wissen und welche Ressourcen die Beteiligten nutzen, wie sie Unklarheit erkennen und wie sie nachsteuern.

Anschließend die Leistung von den Bedingungen trennen: Zeitdruck, unbekannte Regeln, unzugängliche Medien oder fehlende Antwortmöglichkeiten können vorhandenes Können verdecken.

Dieser Analyseweg ist eine Atlasanwendung, kein standardisierter Kompetenztest.

Auf welcher Ebene verändert sich etwas?

Bewertung richtet sich auf situationsbezogene Ressourcen statt ausschließlich auf Flüssigkeit und Korrektheit.

Welche zeitliche Struktur ist ausdrücklich beschrieben?

Die Denkbewegung enthält eine vorgeschlagene Prüffolge; sie ist keine behauptete Echtzeitabfolge psychischer Vorgänge. Der jeweilige Beispielsverlauf und die historische Entwicklung sind getrennt zu lesen.

Woran lässt sich die Beschreibung prüfen?

Kommunikative Kompetenz ist weder Schlagfertigkeit noch Anpassung um jeden Preis oder die bloße Fähigkeit, andere zu überzeugen. Verständigung kann trotz kompetenten Handelns misslingen. Fähigkeit, beobachtete Leistung und institutionelle Berechtigung sind zu unterscheiden. Aus dem HWdR werden insbesondere die pauschale Gleichsetzung von Kompetenz mit ausschließlich Erlerntem, die stark vereinfachte Evolutionschronologie und Verallgemeinerungen über den Niedergang ganzer linguistischer Schulen nicht übernommen.

Historischer Bezug

Das Dossier verbindet historische Modellauseinandersetzungen mit einer institutionellen CEFR-Kontrolle. Die dortigen Teilkompetenzen sind ein benannter Ansatz, keine abschließende Anthropologie.

Sprachvergleich und Fachfassung

Competence und performance sind theorieabhängig; beobachtetes Gelingen ist nicht deckungsgleich mit verfügbarem Wissen und Können.

Fachliche Vergleiche und Abgrenzungen

Die folgenden Profile sind redaktionelle Vergleichsanker für die Abgrenzung in diesem Artikel. Dies sind keine neuen kanonischen Relationskanten und keine gemeinsamen Registertreffer.

Vorgeschlagener Denkweg

  1. Nicht nur nach der sprachlichen Richtigkeit fragen, sondern nach Handlung, Adressierung und Verstehen.
  2. Dann untersuchen, welches Wissen und welche Ressourcen die Beteiligten nutzen, wie sie Unklarheit erkennen und wie sie nachsteuern.
  3. Anschließend die Leistung von den Bedingungen trennen: Zeitdruck, unbekannte Regeln, unzugängliche Medien oder fehlende Antwortmöglichkeiten können vorhandenes Können verdecken.
  4. Dieser Analyseweg ist eine Atlasanwendung, kein standardisierter Kompetenztest.

Ein redaktionelles Erkundungsangebot, keine notwendige Denkfolge und kein experimenteller Wirkungsnachweis.

Quellenstatus und Provenienz

Beide Fachfassungen sind redaktionell angenommen. Der Nachweisumfang der ausgewerteten Referenzwerke bleibt erhalten; dies ist keine neue Vollprüfung sämtlicher Primärquellen. Beispiele und Prüffolgen sind Atlasanwendungen.