ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G01-023 · ATLAS 259

Argument

Ein Argument verbindet eine oder mehrere Prämissen mit einer Konklusion, die dadurch gestützt werden soll.

Teil des Themenwegs Argumentation, Logik und Diskurs

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Argument ist eine Grundlage, um Gründe und Schlussfolgerung in einer Äußerung auseinanderzuhalten. Der Eintrag macht diese Rollen unabhängig von ihrer Reihenfolge und ihrer ausdrücklichen Nennung sichtbar. Seine Aufnahme ermöglicht die Prüfung vieler rhetorischer Verfahren; grammatisches Argument und bloßer Streit sind gesonderte Verwendungen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein Argument verbindet eine oder mehrere Prämissen mit einer Konklusion, die dadurch gestützt werden soll. Im Alltag kann »Argument« auch nur einen einzelnen Grund meinen; die Analyse muss daher ihren Umfang kenntlich machen. Die Reihenfolge im Text legt die Rollen nicht fest: Eine Konklusion kann zuerst stehen und ihre Gründe können unausgesprochen bleiben. Ob die Verbindung trägt, ist eine weitere Frage. Der Begriff bezeichnet zunächst eine begründende Struktur, nicht automatisch eine gute oder wahre Begründung.

Denkbewegung

1. Die zu stützende Aussage ermitteln. 2. Die angebotenen Gründe sammeln. 3. Unausgesprochene Annahmen vorsichtig rekonstruieren. 4. Die behauptete Stützungsbeziehung darstellen. 5. Qualität und Kontextangemessenheit erst danach bewerten.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Argumentationsanalyse kann Texte in Stützungseinheiten gliedern, Annahmen offenlegen und konkurrierende Rekonstruktionen vergleichen.

Beispiel

»Wir sollten früher öffnen: Vor acht warten regelmäßig Besucher, und wir wollen Wartezeiten vermeiden.« Beobachtung und Ziel stützen gemeinsam eine Empfehlung.

Gegenbeispiel

»Wir öffnen um acht, und die Wand ist blau« ist ohne weitere Verbindung kein Argument. Ein »also« allein erzeugt ebenfalls keine tragfähige Begründung.

Abgrenzung

Von Streit, Einzelbehauptung und grammatischem Argument als Ergänzung eines Prädikats unterscheiden. In Peirces Zeichentheorie bezeichnet Argument beziehungsweise Delom einen Zeichentyp, der eine regelgeleitete Schlussbeziehung darstellt; der Herkunftsverweis aus Dicent betrifft diese besondere Einordnung.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Eine Behauptung wird als verantwortbare Position sichtbar, zu der nach Gründen gefragt werden kann.

Resonanz

Zustimmung soll an etwas anschließen können, das auch ein Gegenüber prüfen darf.

Provenienz

Wilson bestimmt die Stützungseinheit aus Gründen und Konklusion; Informal Logic erweitert die Kontextprüfung. Peirces Semiotik erklärt zusätzlich den Argument-/Delom-Typ, den der Herkunftsverweis aus Dicent voraussetzt. Grammatische Argumente bleiben ausgeschlossen. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Argument“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G01-023. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G01-023

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G01-023

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