ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G01-034 · ATLAS 259

Reformulierung

Eine Reformulierung greift bereits Gesagtes auf und gibt ihm eine veränderte sprachliche Gestalt.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

F · Figur / Verfahren R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Reformulierung erschließt die erneute Gestaltung bereits Gesagten als Reparatur, Präzisierung oder Perspektivwechsel. Anders als Paraphrase muss sie nicht durchgängig Sinnkonstanz beanspruchen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Eine Reformulierung greift bereits Gesagtes auf und gibt ihm eine veränderte sprachliche Gestalt. Sie kann präzisieren, zusammenfassen, erläutern oder eine bisherige Darstellung korrigieren. Die Gesprächsforschung unterscheidet solche Funktionen genauer; nicht jede neue Fassung löscht die erste aus. Eine Äußerung wie »genauer gesagt« stellt selbst eine Beziehung zwischen den Fassungen her, deren Berechtigung zu prüfen bleibt. Im Herkunftskontext Epanorthosis ist besonders die zugespitzte Selbstkorrektur relevant, während das allgemeine Verfahren auch ohne Steigerung vorkommt.

Denkbewegung

1. Den wiederaufgenommenen Bezugsausdruck identifizieren. 2. Das Signal oder den Anlass der Bearbeitung bestimmen. 3. Erhaltene und veränderte Inhalte vergleichen. 4. Initiierung und Durchführung der Reformulierung zuordnen. 5. Prüfen, welche Fassung im weiteren Gespräch wirksam bleibt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Gesprächs- und Textanalyse können Bezugsausdruck, Bearbeitungssignal, Beteiligte und Funktion getrennt annotieren und Verständigungsfolgen untersuchen.

Beispiel

»Wir kommen am Abend – genauer gesagt gegen halb acht.« Der zweite Ausdruck präzisiert einen bereits eröffneten Zeitrahmen.

Gegenbeispiel

Ein wortgleiches Echo ist keine Neuformulierung. »Wir kommen am Abend – übrigens regnet es« fügt ein anderes Thema hinzu, ohne den ersten Inhalt umzuarbeiten.

Abgrenzung

Von Paraphrase als Anspruch auf Sinnerhaltung, Wiederholung und bloßem Themenwechsel unterscheiden. Reformulierung kann Bedeutung bewusst verändern.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Gesagtes bleibt bearbeitbar; Genauigkeit oder Verbindlichkeit kann sich noch im Verlauf einer Äußerung ändern.

Resonanz

Die zweite Fassung antwortet auf die erste, während deren Spur im Verständnis erhalten bleibt.

Provenienz

Die HHU bestimmt Reformulierung im Diskurszusammenhang; Epanorthosis ist ein engeres rhetorisches Korrekturverfahren. Reformulierung kann erläutern, präzisieren oder korrigieren, muss aber keine Selbstkorrektur inszenieren. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Reformulierung“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G01-034. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G01-034

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G01-034

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.