ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G04-047 · ATLAS 259

Relativsatz

Ein Relativsatz stellt eine Beziehung zu einem Bezugsausdruck her oder übernimmt in freier Form selbst eine entsprechende nominale Funktion.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Relativsatz liefert die Grundlage für zusätzliche und einschränkende Bestimmung von Bezugsgrößen. Einbettung allein genügt ohne die jeweilige relative Beziehung oder freie nominale Funktion nicht.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein Relativsatz stellt eine Beziehung zu einem Bezugsausdruck her oder übernimmt in freier Form selbst eine entsprechende nominale Funktion. Er kann die Auswahl eines Referenten einschränken oder zusätzliche Information über einen bereits bestimmten Referenten liefern. Diese Funktionen sind nicht allein aus dem deutschen Komma abzulesen. Auch Einleitungsformen und Wortstellung variieren zwischen Sprachen. Im Pseudocleft-Kontext ist besonders der freie Relativsatz wichtig, während Inselbeschränkungen die Möglichkeiten syntaktischer Abhängigkeiten aus solchen Strukturen betreffen. Der Eintrag verbindet diese Herkunftswege, ohne aus einer einzigen deutschen Bauform eine universelle Definition zu machen.

Denkbewegung

1. Der mögliche Relativsatz wird abgegrenzt. 2. Ein Bezugsausdruck oder freie nominale Funktion wird bestimmt. 3. Sein interpretativer Beitrag wird geprüft. 4. Formale Markierungen werden sprachspezifisch beschrieben. 5. Abhängigkeiten werden mit geeigneten Kontrastbeispielen untersucht.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Syntax und Semantik können restriktive, appositive und freie Relativkonstruktionen anhand mehrerer Diagnosen vergleichen.

Beispiel

„Das Buch, das Mira liest, liegt hier“ enthält einen Bezug auf Buch. In „Was Mira liest, überrascht mich“ kann der freie Relativsatz selbst die Subjektstelle besetzen.

Gegenbeispiel

Nicht jeder mit was beginnende Satz ist ein Relativsatz; eingebettete Fragen können ähnlich aussehen.

Abgrenzung

Relativsatz von eingebetteter Frage, bloßem Attributwort und jeder identisch eingeleiteten Konstruktion unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Relativsätze verbinden Bezugnahme mit zusätzlicher inhaltlicher Bestimmung.

Resonanz

Ein Gegenstand wird benannt und erhält im selben Atemzug einen eigenen kleinen Satzraum.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Relativsatz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-047. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-047

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-047

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