ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-002 · ATLAS 259

Agenda-Setting

Agenda-Setting bezeichnet die mögliche Wirkung medialer Themengewichtung auf die Themen, die ein Publikum für wichtig hält.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Agenda-Setting ergänzt die Analyse einzelner Aussagen um die öffentliche Gewichtung von Themen. Der Eintrag darf weder individuelle Überzeugung noch jeden Medieneffekt aus bloßer Häufigkeit ableiten.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Agenda-Setting bezeichnet hier die mögliche Verschiebung öffentlicher Themenprioritäten durch die Gewichtung von Themen in Medien. Untersucht wird, was als wichtig erscheint. Die klassische Untersuchung von McCombs und Shaw verglich Medieninhalte mit den genannten Prioritäten von Wählerinnen und Wählern; ihre Korrelationen bewiesen für sich keinen Kausalzusammenhang. Der Herkunftsverweis aus Framing verlangt daher zwei getrennte Fragen: Welches Thema erhält Aufmerksamkeit, und unter welchem Deutungsrahmen erscheint es? Ein hervorgehobenes Thema kann Zustimmung, Ablehnung oder Unentschiedenheit auslösen. Themengewicht ist keine fertige Meinung.

Denkbewegung

1. Ein abgegrenztes Themenfeld festlegen. 2. Häufigkeit und Platzierung der Berichte erfassen. 3. Publikumsprioritäten unabhängig erheben. 4. Zeitfolge und alternative Einflussquellen prüfen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Ein Längsschnitt könnte Berichtsgewicht und Befragungsdaten verbinden und externe Ereignisse sowie vorherige Prioritäten berücksichtigen.

Beispiel

Konstruiert: Eine Zeitung berichtet täglich prominent über Wohnkosten. In Befragungen gewinnt das Thema an Rang. Das wäre ein untersuchbarer Zusammenhang, noch kein Nachweis, dass die Zeitung die Veränderung verursacht hat.

Gegenbeispiel

Zwei Artikel können dasselbe Thema gleich häufig behandeln und es dennoch unterschiedlich rahmen. Unterschiedliche Wertungen allein belegen kein Agenda-Setting.

Abgrenzung

Themensalienz von Framing, Bewertung und bloßer Nachrichtenhäufigkeit trennen. Eine Medienagenda ist noch keine nachgewiesene Publikumswirkung.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Auswahl kann den wahrgenommenen Problemhorizont verändern; Richtung und Stärke bleiben empirische Fragen.

Resonanz

Was immer wieder ins Licht tritt, kann zum Mittelpunkt einer gemeinsamen Landschaft werden.

Provenienz

McCombs/Shaw untersuchen Themenrangfolgen; Entman analysiert Problemdefinition, Ursachen und Bewertung innerhalb eines Rahmens. Der Vergleich begrenzt Agenda-Setting auf Salienz und hält kausale Schlussfolgerungen offen. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Agenda-Setting“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-002. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-002

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-002

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.