Vertiefung
Agenda-Setting bezeichnet hier die mögliche Verschiebung öffentlicher Themenprioritäten durch die Gewichtung von Themen in Medien. Untersucht wird, was als wichtig erscheint. Die klassische Untersuchung von McCombs und Shaw verglich Medieninhalte mit den genannten Prioritäten von Wählerinnen und Wählern; ihre Korrelationen bewiesen für sich keinen Kausalzusammenhang. Der Herkunftsverweis aus Framing verlangt daher zwei getrennte Fragen: Welches Thema erhält Aufmerksamkeit, und unter welchem Deutungsrahmen erscheint es? Ein hervorgehobenes Thema kann Zustimmung, Ablehnung oder Unentschiedenheit auslösen. Themengewicht ist keine fertige Meinung.
Denkbewegung
1. Ein abgegrenztes Themenfeld festlegen. 2. Häufigkeit und Platzierung der Berichte erfassen. 3. Publikumsprioritäten unabhängig erheben. 4. Zeitfolge und alternative Einflussquellen prüfen.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Ein Längsschnitt könnte Berichtsgewicht und Befragungsdaten verbinden und externe Ereignisse sowie vorherige Prioritäten berücksichtigen.
Beispiel
Konstruiert: Eine Zeitung berichtet täglich prominent über Wohnkosten. In Befragungen gewinnt das Thema an Rang. Das wäre ein untersuchbarer Zusammenhang, noch kein Nachweis, dass die Zeitung die Veränderung verursacht hat.
Gegenbeispiel
Zwei Artikel können dasselbe Thema gleich häufig behandeln und es dennoch unterschiedlich rahmen. Unterschiedliche Wertungen allein belegen kein Agenda-Setting.
Abgrenzung
Themensalienz von Framing, Bewertung und bloßer Nachrichtenhäufigkeit trennen. Eine Medienagenda ist noch keine nachgewiesene Publikumswirkung.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Die Auswahl kann den wahrgenommenen Problemhorizont verändern; Richtung und Stärke bleiben empirische Fragen.
Resonanz
Was immer wieder ins Licht tritt, kann zum Mittelpunkt einer gemeinsamen Landschaft werden.
Provenienz
McCombs/Shaw untersuchen Themenrangfolgen; Entman analysiert Problemdefinition, Ursachen und Bewertung innerhalb eines Rahmens. Der Vergleich begrenzt Agenda-Setting auf Salienz und hält kausale Schlussfolgerungen offen. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Agenda-Setting“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-002. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-002Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.