ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-004 · ATLAS 259

Akkusativität

Akkusativität bezeichnet eine morphosyntaktische Ausrichtung, die den einzigen Hauptteilnehmer eines intransitiven Verbs, S, in einer betrachteten Eigenschaft wie den eher agentiven Teilnehmer eines transitiven Verbs, A, behandelt und vom eher patientiven Teilnehmer, P, unterscheidet.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Akkusativität erschließt die gemeinsame Behandlung von S und A gegenüber P als typologischen Vergleich. Der Bezug muss auf eine bestimmte grammatische Eigenschaft statt auf Sprache insgesamt erfolgen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Akkusativität bezeichnet eine Ausrichtung, die das einzige Kernargument eines intransitiven Prädikats (S) mit dem stärker agensartigen Argument eines transitiven Prädikats (A) zusammenfasst und vom stärker patiensartigen Argument (P) unterscheidet. Diese Beziehung muss für einen bestimmten Bereich beschrieben werden: Kasus, Personenmarkierung am Verb oder syntaktisches Verhalten. Aus einem Kasusmuster folgt nicht automatisch dasselbe Muster in allen Bereichen. Auch Pronomen und volle Nominalgruppen können sich unterscheiden. Entscheidend ist die Verteilung der Formen und Funktionen, nicht die Annahme, jedes Subjekt handle absichtlich.

Denkbewegung

1. Intransitive und transitive Konstruktionen vergleichen. 2. S, A und P zuordnen. 3. Den untersuchten Markierungsbereich nennen. 4. Spaltungen nach Formtyp und Konstruktion prüfen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Sprachbeschreibung kann für Pronomen und volle Nominalgruppen getrennte S/A/P-Paradigmen erstellen.

Beispiel

Konstruiert nach dem englischen Pronominalmuster: We arrived; we saw them; they saw us. We steht für S und A, us für P.

Gegenbeispiel

Das englische you zeigt hier keinen Formunterschied. Aus diesem einen Pronomen lässt sich das gesamte Kasussystem nicht bestimmen.

Abgrenzung

Akkusativische Ausrichtung, der Kasus Akkusativ und die aktive Diathese sind unterschiedliche Beschreibungsebenen.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Vergleich macht sichtbar, welche Teilnehmer grammatisch gemeinsam behandelt werden.

Resonanz

Verschiedene Ereignisse teilen eine Form, sobald ihre Beteiligten dieselbe grammatische Stelle erhalten.

Provenienz

Comries WALS-Kapitel beschränkt den Vergleich auf Kasusmarkierung voller Nominalphrasen; Dixon diskutiert zusätzlich syntaktische Ausrichtung und Splits. Diese Reichweiten dürfen nicht als ein einziges Sprachmerkmal zusammenfallen. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Akkusativität“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-004. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-004

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-004

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