ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-006 · ATLAS 259

Aktiv

Aktiv ist eine grammatische Diathese beziehungsweise Voice-Kategorie, die im jeweiligen System dem Passiv gegenübergestellt wird.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Aktiv ist als Gegenbegriff nötig, um Passiv und weitere Diathesealternativen systematisch zu beschreiben. Ein aktiver Satz impliziert weder tatsächliches Handeln noch ein stets agentives Subjekt.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Aktiv bezeichnet hier eine grammatische Diathese im Kontrast zum Passiv. Im prototypischen transitiven Aktivsatz entspricht das Subjekt dem handelnden Beteiligten und das Objekt dem betroffenen Beteiligten. Das ist keine Definition des Subjekts: Auch Erlebende, Ursachen oder sich verändernde Dinge können in aktiven Sätzen Subjekt sein. Die Analyse beginnt deshalb bei Verbform und Konstruktion und beschreibt erst danach die semantischen Rollen. Der Vergleich mit einem möglichen Passiv zeigt eine andere Zuordnung von Teilnehmern zu Satzfunktionen; nicht jeder Aktivsatz besitzt ein gleichwertiges Passiv.

Denkbewegung

1. Verbform und Konstruktion bestimmen. 2. Subjekt und Ergänzungen ermitteln. 3. Semantische Rollen gesondert beschreiben. 4. Nur zulässige Passivvarianten vergleichen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Textanalyse könnte Diathesen und genannte Beteiligte kodieren, um Perspektivierung in Berichten zu vergleichen.

Beispiel

Konstruiert: „Mira öffnet die Tür“ und „Die Tür wird von Mira geöffnet“ beschreiben eine vergleichbare Handlung mit unterschiedlicher Subjektzuordnung. „Mira schläft“ steht ebenfalls im Aktiv.

Gegenbeispiel

„Mira erleidet einen Verlust“ ist nicht wegen des Leidens ein Passivsatz.

Abgrenzung

Aktiv von Aktivität, absichtlichem Handeln, Transitivität und nominativisch-akkusativischer Ausrichtung unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Konstruktion kann einen Beteiligten als grammatischen Ausgangspunkt des Satzes präsentieren.

Resonanz

Ein Ereignis erhält eine sprachliche Richtung, ohne dass diese Richtung schon Absicht bedeutet.

Provenienz

Huddleston/Pullum differenzieren englische Voice-Konstruktionen; Essentials erläutert Änderungen der Argumentstruktur. Ihre Beispiele stützen keine universelle Gleichsetzung von Subjekt und Agent. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Aktiv“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-006. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-006

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-006

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