ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-014 · ATLAS 259

Argumentstruktur

Argumentstruktur beschreibt die vom Prädikat eröffneten Teilnehmerstellen und ihre Beziehungen zur sprachlichen Realisierung.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Argumentstruktur ist nötig, um Teilnehmerstellen eines Prädikats mit ihrer sprachlichen Realisierung zu verbinden. Argumente eines Verbs sind von Gründen innerhalb einer rhetorischen Argumentation zu trennen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Argumentstruktur beschreibt die vom Prädikat eröffneten Beteiligtenstellen und ihre Beziehungen zur sprachlichen Realisierung. Eine Analyse fragt, welche Beteiligten für die betreffende Prädikatslesart vorgesehen sind und wie sie als Subjekt, Objekt oder anders erscheinen. Semantische Rolle und syntaktische Funktion sind dabei nicht identisch. Auch muss nicht jede erschließbare Beteiligtenstelle ausdrücklich genannt werden. Der Herkunftsverweis aus Valenz, semantischer Rolle und Theta-Rolle verbindet verschiedene theoretische Zugänge; er rechtfertigt nicht, ihre Kategorien vollständig gleichzusetzen. Die konkrete Analyse muss Prädikatslesart, Konstruktion und Modell nennen.

Denkbewegung

1. Die Lesart des Prädikats bestimmen. 2. Vorgesehene Beteiligtenstellen erfassen. 3. Ausgedrückte und erschließbare Beteiligte unterscheiden. 4. Die Zuordnung zu Satzfunktionen beschreiben.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Korpusstudie könnte für eine begrenzte Verbgruppe Konstruktionen, Ergänzungen und ausgelassene Beteiligte annotieren.

Beispiel

Konstruiert: „Mira schenkt Leon ein Buch“ benennt Gebende, Empfänger und Gabe. „Leon erhält ein Buch“ beschreibt die Situation aus einer anderen Prädikats- und Satzperspektive.

Gegenbeispiel

„Am Dienstag“ fügt im ersten Beispielsatz einen Zeitpunkt hinzu, ohne deshalb dieselbe Art von Beteiligtenstelle wie die Gabe zu besetzen.

Abgrenzung

Argumentstruktur von einer bloßen Wortliste, konkreter Satzoberfläche und einem universell festen Inventar semantischer Rollen unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Analyse kann zeigen, welche Beziehungen ein Prädikat eröffnet und welche davon eine Äußerung ausdrücklich realisiert.

Resonanz

Ein Prädikat entwirft Plätze, zwischen denen ein Ereignis sprachlich Gestalt annimmt.

Provenienz

Essentials führt Argumente und Rollen in einem Syntaxmodell ein; Huddleston/Pullum unterscheiden im englischen System Komplemente und Adjunkte. Die Theoriebegriffe werden bewusst nicht gleichgesetzt. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Argumentstruktur“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-014. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-014

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-014

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