ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-030 · ATLAS 259

Definitheit

Definitheit ist eine grammatisch und semantisch verschieden modellierte Eigenschaft referenzieller Ausdrücke.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Definitheit liefert die Grundlage für die Analyse identifizierbarer Referenz und ihrer grammatischen Markierung. Ein bestimmter Artikel und tatsächlich gemeinsam verfügbares Wissen sind nicht gleichzusetzen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Definitheit betrifft hier die sprachliche Präsentation eines Referenten als im jeweiligen Kontext identifizierbar. Das kann durch vorausgehende Erwähnung, gemeinsame Situation oder einen eindeutig beschreibbaren Bezug gestützt sein. Ein bestimmter Artikel ist eine mögliche Ausdrucksform; nicht jede Sprache besitzt einen solchen Artikel. Definitheit unterscheidet sich von Spezifizität: Eine sprechende Person kann einen bestimmten Menschen im Sinn haben, ohne ihn für die hörende Person identifizierbar zu präsentieren. Ob Definitheit eine Objektmarkierung beeinflusst, muss für die betreffende Sprache und Konstruktion geprüft werden.

Denkbewegung

1. Den Referenzausdruck bestimmen. 2. Seinen Kontext der Identifikation rekonstruieren. 3. Form und Interpretation getrennt beschreiben. 4. Spezifizität und Objektmarkierung gesondert prüfen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Korpusanalyse könnte Objektmarkierung, Definitheit und Spezifizität getrennt annotieren und ihre Verteilung vergleichen.

Beispiel

„Im Hof steht ein Fahrrad. Das Fahrrad ist blau.“ Im konstruierten Text verweist der bestimmte Ausdruck auf den eingeführten Gegenstand.

Gegenbeispiel

„Ich suche einen bestimmten Mitarbeiter, dessen Namen ich dir noch nicht sage“ kann spezifisch gemeint sein, ohne den Mitarbeiter als für den Adressaten identifiziert einzuführen.

Abgrenzung

Von Spezifizität, Bekanntheit einer Person und Existenzgewissheit unterscheiden. Artikelgebrauch und differentielle Objektmarkierung sind sprachabhängig.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Analyse präzisiert, welche gemeinsame Orientierung ein Referenzausdruck voraussetzt oder aufbaut.

Resonanz

Ein kleiner Artikel zeigt auf einen gemeinsamen Ausschnitt der Welt.

Provenienz

Lyons vergleicht Definitheitsmodelle und Sprachformen; Aissen modelliert differenzielle Objektmarkierung über kombinierte Skalen. Der Vergleich verbietet die Erklärung der Objektmarkierung durch Definitheit allein. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Definitheit“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-030. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-030

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-030

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