ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-033 · ATLAS 259

Diathese

Diathese bezeichnet hier die Zuordnung semantischer Teilnehmer zu grammatischen Funktionen und ihre konstruktionsbedingten Alternativen.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Diathese ist nötig, um wechselnde Zuordnung von Teilnehmerrollen und grammatischen Funktionen verständlich zu machen. Die Modelle von Diathese und Voice sind nicht traditionsübergreifend deckungsgleich.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Diathese bezeichnet hier die Zuordnung von semantischen Beteiligten zu grammatischen Funktionen. Aktiv und Passiv bieten einen besonders anschaulichen Vergleich: Dieselbe Handlung kann mit dem Handelnden oder einem betroffenen Teilnehmer als Subjekt beschrieben werden. Im Passiv kann der Handelnde unausgedrückt bleiben. Dieses Muster darf nicht auf alle Passivtypen übertragen werden; unpersönliche Passivkonstruktionen besitzen nicht notwendig ein zum Subjekt gewordenes Objekt. Voice bezeichnet die grammatischen Mittel solcher Kontraste, wird in der Literatur aber auch überlappend mit Diathese verwendet. Der Atlas legt die hier verwendete Zuordnungsperspektive ausdrücklich fest.

Denkbewegung

1. Semantische Rollen bestimmen. 2. Grammatische Funktionen feststellen. 3. Aktiv- und Passivmuster vergleichen. 4. Unausgedrückte Teilnehmer und unpersönliche Konstruktionen berücksichtigen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine kontrastive Grammatik kann Rollen, Funktionen und verbale Markierung in ausgewählten Aktiv-Passiv-Paaren getrennt erfassen.

Beispiel

„Mira öffnet die Tür“ und „Die Tür wird von Mira geöffnet“ sind konstruierte Beschreibungen derselben entworfenen Handlung mit unterschiedlicher Subjektzuordnung.

Gegenbeispiel

„Hier wird getanzt“ hat kein aus einem transitiven Objekt hervorgegangenes Subjekt. Ein einfaches Austauschschema genügt nicht.

Abgrenzung

Von Tempus, bloßer Wortstellung und tatsächlicher Passivität einer Person unterscheiden. Diathese und voice werden je nach Theorie unterschiedlich abgegrenzt.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff hilft zu untersuchen, wie grammatische Konstruktionen Beteiligte unterschiedlich präsentieren.

Resonanz

Die Handlung bleibt erkennbar, während ihr sprachlicher Vordergrund wechselt.

Provenienz

Huddleston/Pullum beschreiben Voice im englischen Grammatiksystem; Shibatanis Band zu Voice/Diathese bietet sprachvergleichende Perspektiven. Terminologische Reichweite bleibt ausdrücklich traditionsabhängig. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Diathese“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-033. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-033

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-033

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.