ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-052 · ATLAS 259

Extension

Extension bezeichnet den Denotationsumfang eines Ausdrucks relativ zu einem festgelegten Auswertungsrahmen.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Extension ist nötig, um den Geltungsbereich eines Ausdrucks von seiner begrifflichen Bestimmung zu unterscheiden. Der Auswertungsrahmen und die gemeinte Bedeutung müssen für jeden Vergleich feststehen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Extension bezeichnet den Umfang dessen, worauf ein Ausdruck in einem festgelegten Auswertungsrahmen zutrifft. Bei einem einstelligen Prädikat lässt sich dies als Menge der betreffenden Gegenstände darstellen. Welche Gegenstände dazugehören, kann sich mit Zeitpunkt oder betrachteter Welt ändern, ohne dass damit automatisch ein Bedeutungswandel vorliegt. Für andere Ausdruckstypen wird Denotation formal anders bestimmt. Im Hyponymie-Kontext interessiert die Teilmengenbeziehung, bei Bedeutungserweiterung dagegen eine Veränderung des sprachlichen Gebrauchs über die Zeit. Beide Fragen brauchen unterschiedliche Nachweise.

Denkbewegung

1. Ausdruckstyp und Auswertungsrahmen festlegen. 2. Die zutreffenden Gegenstände bestimmen. 3. Umfang und Bedeutungsweise unterscheiden. 4. Synchrone Mengenrelation und historischen Wandel getrennt prüfen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine formalsemantische Analyse könnte für ein endliches Modell Extensionen angeben und die Teilmengenbeziehung zweier Prädikate prüfen.

Beispiel

In einem erfundenen Inventar mit zwei Lampen und drei Stühlen enthält die Extension von Lampe die beiden Lampen. Nach dem Kauf einer dritten Lampe wächst diese Menge, ohne dass das Wort seine Bedeutung ändern muss.

Gegenbeispiel

Zwei Ausdrücke können im festgelegten Modell auf dieselben Gegenstände zutreffen und dennoch unterschiedlich verstanden werden.

Abgrenzung

Von Intension, Konnotation und diachroner Bedeutungserweiterung unterscheiden. Denotation ist ausdruckstypabhängig; eine Prädikatsmenge ist nur ein wichtiger Fall.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff präzisiert, über welche Gegenstände eine Aussage im gewählten Rahmen gemacht wird.

Resonanz

Ein Wort zieht einen Kreis um Dinge; der Kreis ist nicht seine ganze Bedeutung.

Provenienz

Lyons unterscheidet semantische Beziehungen und Referenzfragen; das Denotationskapitel von Essentials eröffnet Mengenmodelle. Der Vergleich hält modellrelative Denotation und historischen Bedeutungswandel auseinander. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Extension“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-052. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-052

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-052

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