ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-003 · ATLAS 259

Funktionswandel

Historischer Wandel, bei dem eine Form eine neue grammatische oder diskursive Funktion übernimmt.

Teil des Themenwegs Morphologie und Wortbildung

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Funktionswandel ergänzt Formgeschichte um die Veränderung grammatischer oder diskursiver Aufgaben. Seine zusätzliche Reichweite gegenüber Grammatikalisierung muss an belegten Funktionen sichtbar bleiben.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Historischer Wandel, bei dem eine Form eine neue grammatische oder diskursive Funktion übernimmt. Eine ehemals aspektuelle Form wird als Diskursmarker verwendet, während ihre ältere Funktion nur noch in festen Wendungen bleibt. Exaptation, Grammatikalisierung, Bedeutungswandel und bloße Polysemie nicht unterschiedslos behandeln. Zwei gegenwärtige Bedeutungen allein belegen keinen historischen Wandel der grammatischen Funktion.

Denkbewegung

1. Die frühere Funktion bestimmen. 2. Belege des neuen Gebrauchs datieren. 3. Erhaltene ältere Verwendungen vergleichen. 4. Funktionswandel von bloß lexikalischem Wandel unterscheiden. 5. Exaptation gesondert von Grammatikalisierung beurteilen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Historische Korpusarbeit datiert konkurrierende Funktionen und prüft, ob Reanalyse oder bloße Bedeutungsvariation vorliegt.

Beispiel

Eine ehemals aspektuelle Form wird als Diskursmarker verwendet, während ihre ältere Funktion nur noch in festen Wendungen bleibt.

Gegenbeispiel

Zwei gegenwärtige Bedeutungen allein belegen keinen historischen Wandel der grammatischen Funktion.

Abgrenzung

Exaptation, Grammatikalisierung, Bedeutungswandel und bloße Polysemie nicht unterschiedslos behandeln.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der historische Vergleich kann neue Aufgaben einer erhaltenen Form sichtbar machen.

Resonanz

Eine Form bleibt, während ihre Aufgabe sich verändert.

Provenienz

Roger Lass: How to Do Things with Junk: Exaptation in Language Evolution, 1990 erschließt für „Funktionswandel“ den Bereich Exaptation and functional reassignment; Paul J. Hopper / Elizabeth Closs Traugott: Grammaticalization, 2nd ed., 2003 setzt mit Functional change, reanalysis and grammaticalisation einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Historischer Wandel, bei dem eine Form eine neue grammatische oder diskursive Funktion übernimmt.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Active navigation changed to origin-scoped context on 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Funktionswandel“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-003. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-003

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-003

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.