ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-010 · ATLAS 259

Gespräch

Gemeinsam hervorgebrachte Folge sprachlicher und nichtsprachlicher Beiträge.

Teil des Themenwegs Pragmatik und Gespräch

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Gespräch ist nötig, um Äußerungen als gemeinsam hervorgebrachte Folge statt als isolierte Sätze zu lesen. Tatsächliche Organisation benötigt Interaktionsbelege und folgt nicht aus Gesprächsabsichten allein.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Gemeinsam hervorgebrachte Folge sprachlicher und nichtsprachlicher Beiträge. Eine Frage, ein zögerndes Einatmen und eine reparierte Antwort bilden gemeinsam eine sequentielle Gesprächseinheit. Gespräch von Dialog als Darstellungsform und von beliebiger Ko-Präsenz abgrenzen. Zwei Menschen, die schweigend denselben Raum teilen, haben damit noch kein Gespräch hervorgebracht.

Denkbewegung

1. Einen Beitrag und seine Antwort lokalisieren. 2. Die Verteilung des Rederechts rekonstruieren. 3. Pausen und körperliches Verhalten beurteilen. 4. Reparaturen über Beiträge hinweg bestimmen. 5. Interaktion von geschriebenem Dialog unterscheiden.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Interaktionsforschung transkribiert Rede, Pausen, Blick und Überlappung aus natürlichen Aufnahmen.

Beispiel

Eine Frage, ein zögerndes Einatmen und eine reparierte Antwort bilden gemeinsam eine sequentielle Gesprächseinheit.

Gegenbeispiel

Zwei Menschen, die schweigend denselben Raum teilen, haben damit noch kein Gespräch hervorgebracht.

Abgrenzung

Gespräch von Dialog als Darstellungsform und von beliebiger Ko-Präsenz abgrenzen.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Sequenzbetrachtung kann zeigen, wie Antworten den Sinn vorheriger Beiträge mitgestalten.

Resonanz

Ein Gespräch entsteht zwischen den Beiträgen mit.

Provenienz

Harvey Sacks / Emanuel A. Schegloff / Gail Jefferson: A Simplest Systematics for the Organization of Turn-Taking for Conversation, 1974 erschließt für „Gespräch“ den Bereich Language 50(4), 696–735; Herbert H. Clark: Using Language, 1996 setzt mit Language use as joint action and conversational coordination einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Gemeinsam hervorgebrachte Folge sprachlicher und nichtsprachlicher Beiträge.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Active navigation changed to origin-scoped context on 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Gespräch“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-010. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-010

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-010

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