ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-023 · ATLAS 259

Hörensagen

Evidentiale Kennzeichnung, dass Information aus fremder Mitteilung stammt.

Teil des Themenwegs Pragmatik und Gespräch

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Hörensagen präzisiert fremde Mitteilung als ausgewiesenen Informationszugang und ergänzt Evidentialitätsvergleiche. Das Profil betrifft reportativen Gebrauch und nicht die rechtliche Bewertung eines Gerüchts.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Evidentiale Kennzeichnung, dass Information aus fremder Mitteilung stammt. Eine Sprache verwendet ein festes Suffix für Der Zug sei schon abgefahren, wenn die Information nur berichtet wurde. Grammatische Evidentialität, freie Quellenangabe, Gerücht und epistemische Unsicherheit trennen. Jemand kann die Aussage einer anderen Person mit hoher Gewissheit berichten; die reportative Quelle impliziert für sich keinen Zweifel.

Denkbewegung

1. Den Ausdruck der Quellenmarkierung bestimmen. 2. Seine reportative Bedeutung feststellen. 3. Marker direkter Evidenz vergleichen. 4. Obligatorik und grammatische Einbindung prüfen. 5. Gewissheit gesondert beurteilen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Sprachvergleich kodiert, ob Quellenmarkierung obligatorisch ist und welche Informationsquellen das Paradigma unterscheidet.

Beispiel

Eine Sprache verwendet ein festes Suffix für Der Zug sei schon abgefahren, wenn die Information nur berichtet wurde.

Gegenbeispiel

Jemand kann die Aussage einer anderen Person mit hoher Gewissheit berichten; die reportative Quelle impliziert für sich keinen Zweifel.

Abgrenzung

Grammatische Evidentialität, freie Quellenangabe, Gerücht und epistemische Unsicherheit trennen.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Analyse kann berichtete Quelle und sprachlich dargestellte Gewissheit unabhängig beurteilen.

Resonanz

Weitergesagtes Wissen hat eine Quelle, aber nicht immer einen Zweifel.

Provenienz

Alexandra Y. Aikhenvald: Evidentiality, 2004 erschließt für „Hörensagen“ den Bereich Reported evidence and grammatical evidential systems; Ferdinand de Haan: Coding of Evidentiality, WALS chapter 78 setzt mit Grammatical coding of information source einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Evidentiale Kennzeichnung, dass Information aus fremder Mitteilung stammt.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Active navigation changed to origin-scoped context on 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Hörensagen“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-023. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-023

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