ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-025 · ATLAS 259

Illusionsbruch

Markierter Eingriff, der die Gemachtheit einer Darstellung wahrnehmbar macht.

Teil des Themenwegs Poetik, Narration und Darstellung

Warum dieser Begriff im Atlas?

F · Figur / Verfahren R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Illusionsbruch erschließt das Sichtbarwerden der Gemachtheit einer Darstellung als gezielten Eingriff. Die Auswahlgrenze zu Verfremdung und Metalepsis muss am konkreten Mittel bestimmt werden.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Markierter Eingriff, der die Gemachtheit einer Darstellung wahrnehmbar macht. Eine Erzählerin unterbricht die Handlung, um die Auswahl des nächsten Kapitels zu diskutieren. Metafiktion, Verfremdung, direkte Publikumsansprache und unbeabsichtigter Darstellungsfehler unterscheiden. Ein unbemerkter Kamerafehler ist nicht schon deshalb ein beabsichtigter metafiktionaler Eingriff, weil er bei der Produktion entstand.

Denkbewegung

1. Die zuvor etablierte Illusion rekonstruieren. 2. Den Eingriff lokalisieren. 3. Das Sichtbarwerden der Gemachtheit bestimmen. 4. Beabsichtigtes Verfahren und versehentlichen Fehler vergleichen. 5. Rezeption ohne vorausgesetzte Verfremdung beurteilen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Narratologie untersucht Adressierung, Ebenenwechsel und Folgen für Immersion an textuellen Belegen.

Beispiel

Eine Erzählerin unterbricht die Handlung, um die Auswahl des nächsten Kapitels zu diskutieren.

Gegenbeispiel

Ein unbemerkter Kamerafehler ist nicht schon deshalb ein beabsichtigter metafiktionaler Eingriff, weil er bei der Produktion entstand.

Abgrenzung

Metafiktion, Verfremdung, direkte Publikumsansprache und unbeabsichtigter Darstellungsfehler unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Beschreibung kann den Eingriff in eine Illusion zeigen, ohne seine Publikumswirkung vorwegzunehmen.

Resonanz

Eine Darstellung kann ihre eigenen Nähte zeigen.

Provenienz

Patricia Waugh: Metafiction, 1984 erschließt für „Illusionsbruch“ den Bereich Self-conscious fiction and exposure of fictional construction; Bertolt Brecht: Brecht on Theatre, ed./trans. John Willett, 1964 setzt mit Estrangement and interruption of theatrical illusion einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Markierter Eingriff, der die Gemachtheit einer Darstellung wahrnehmbar macht.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Active navigation changed to origin-scoped context on 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Illusionsbruch“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-025. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-025

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-025

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