Vertiefung
Isogramm wird hier im weiteren wortspielerischen Sinn für einen Ausdruck verwendet, in dem alle vorkommenden Buchstaben gleich oft auftreten. Die Häufigkeit muss ausdrücklich angegeben werden. Bei einmaligem Auftreten entsteht der Typ, den der Herkunftseintrag als Heterogramm beschreibt; andere Verwendungen beschränken Isogramm bereits auf diesen Fall. Vor dem Zählen sind zudem Regeln nötig: Werden Groß- und Kleinschreibung vereinheitlicht, Leerzeichen entfernt oder Umlaute aufgelöst? Erst ein festgelegtes Verfahren macht aus dem Eindruck ungewöhnlicher Buchstabenverteilung eine überprüfbare Eigenschaft. Der Eintrag behauptet keine allgemein verbindliche Terminologie aller Wortspieltraditionen.
Denkbewegung
1. Der untersuchte Ausdruck wird festgelegt. 2. Normalisierungsregeln werden angegeben. 3. Jeder Buchstabe wird gezählt. 4. Die Häufigkeiten werden verglichen. 5. Der Ausdruck wird samt Ordnung n klassifiziert.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Ein kleines Prüfprogramm kann Häufigkeiten reproduzierbar zählen; die gewählte Buchstabennormalisierung muss mitgespeichert werden.
Beispiel
„Mama“ wird bei vereinheitlichter Großschreibung zu mama: m und a treten je zweimal auf. Im hier gewählten weiteren Sinn liegt ein Isogramm zweiter Ordnung vor.
Gegenbeispiel
„Mamma“ enthält drei m und zwei a und erfüllt diese Gleichverteilungsregel nicht.
Abgrenzung
Weitere Isogrammdefinition, Isogramm erster Ordnung und Heterogramm ausdrücklich unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Die Regel macht sprachliches Material als diskrete Anordnung sichtbar.
Resonanz
Wörter zeigen neben ihrer Bedeutung eine zweite Ordnung aus Wiederkehr und Verteilung.
Provenienz
Oulipo: Répertoire des contraintes erschließt für „Isogramm“ den Bereich Operational literary constraints; Harry Mathews / Alastair Brotchie (eds.): Oulipo Compendium, 1998 setzt mit Literary constraints, permutations and combinatorial procedures einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Text oder Ausdruck, in dem definierte Zeichen nicht wiederholt werden.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Isogramm“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-029. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-029Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.