ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G04-019 · ATLAS 259

Objekt

Objekt bezeichnet hier eine grammatische Relation oder Funktion innerhalb einer Konstruktion.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Objekt ist nötig, um grammatische Funktionen von semantischen Teilnehmerrollen zu unterscheiden. Die grammatische Lesart muss markiert und anhand der jeweiligen Sprache diagnostiziert werden.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Objekt bezeichnet hier eine grammatische Relation oder Funktion innerhalb einer Konstruktion. Es ist weder notwendig ein gegenständliches Ding noch stets der von einer Handlung betroffene Teilnehmer. Welche Eigenschaften ein Objekt auszeichnen, hängt von Sprache und Analyse ab: Kasus, Stellung, Kongruenz und Verhalten in Alternationen können unterschiedliche Hinweise liefern. Der Herkunftskontext Applikativ ist gerade deshalb aufschlussreich, weil eine zusätzliche Rolle einen grammatisch zentraleren Status erhalten kann. Eine begünstigte Person oder ein Ort wird nicht allein durch seine Bedeutung zum Objekt. Die Analyse muss zeigen, welche konstruktionsspezifischen Eigenschaften die betreffende Einheit tatsächlich erhält.

Denkbewegung

1. Das Prädikat und seine Ergänzungen werden bestimmt. 2. Semantische Rollen werden zunächst getrennt beschrieben. 3. Grammatische Diagnosen werden ausgewählt. 4. Die Einheit wird in mehreren Konstruktionen geprüft. 5. Die Objektzuordnung wird sprachspezifisch begründet.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Applikativstudie kann Kasus, Verbmarkierung und Passivierbarkeit vergleichen, ohne ein einzelnes deutsches Kriterium zu verallgemeinern.

Beispiel

In „Mira sieht den Turm“ steht den Turm als Akkusativobjekt, obwohl der Turm durch das Sehen nicht verändert wird.

Gegenbeispiel

Eine von einer Handlung betroffene Person kann im Passiv Subjekt sein. Betroffenheit allein bestimmt also keine Objektfunktion.

Abgrenzung

Grammatisches Objekt von Referent, physischem Gegenstand, Patiens und Akkusativform allein unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff trennt grammatische Organisation von der Art der beteiligten Dinge.

Resonanz

Eine Rolle im Satz ist nicht schon eine Eigenschaft der Welt.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Objekt“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-019. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-019

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-019

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