ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G04-042 · ATLAS 259

Referenz

Referenz bezeichnet hier die Beziehung, durch die sprachliche Ausdrücke im Gebrauch auf etwas bezogen werden.

Teil des Themenwegs Semantik und Zeichen

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Referenz ist erforderlich, um zu fragen, worauf ein Ausdruck im Gebrauch bezogen wird. Dadurch lassen sich Wortbedeutung, Bezug und Äußerungssituation auseinanderhalten. Als Grundlagenprofil unterstützt der Eintrag insbesondere Deixis, Indexikalität und Koreferenz; er stammt aus dem zusätzlichen Navigationsbestand.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Referenz bezeichnet hier die Beziehung, durch die sprachliche Ausdrücke im Gebrauch auf etwas bezogen werden. Wie dieser Bezug zustande kommt, kann sich nach Ausdruckstyp unterscheiden: Namen, Demonstrativa und indexikalische Ausdrücke werfen verschiedene Fragen auf. Referenz ist deshalb nicht einfach mit Wörterbuchbedeutung gleichzusetzen. Ich hat eine relativ stabile Gebrauchsregel, kann aber in verschiedenen Äußerungen verschiedene Personen bezeichnen. Ebenso ist sprachliche Referenz von Intentionalität als allgemeiner Gerichtetheit mentaler Zustände zu unterscheiden. Der Eintrag lässt unterschiedliche Referenztheorien zu und behandelt auch Bezug auf Arten oder nicht unmittelbar anwesende Gegenstände, ohne für jeden Fall denselben Mechanismus vorauszusetzen.

Denkbewegung

1. Der Ausdruckstyp wird bestimmt. 2. Der Äußerungskontext wird rekonstruiert. 3. Der mögliche Referent wird ermittelt. 4. Bedeutungsregel und konkrete Bezugnahme werden getrennt. 5. Alternative Referenztheorien werden am Beispiel geprüft.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Semantische Forschung kann testen, wie Zeigegesten, Vorwissen und Gesprächskontext Referenzzuordnungen verändern.

Beispiel

Zwei Personen sagen nacheinander „Ich bin müde“. Der Ausdruck ich folgt derselben sprachlichen Regel, bezieht sich aber jeweils auf einen anderen Sprecher.

Gegenbeispiel

Das Verstehen eines Namens garantiert nicht, dass ein entsprechender realer Gegenstand existiert; fiktionale Namen verlangen zusätzliche theoretische Klärung.

Abgrenzung

Referenz von Bedeutung insgesamt, Denotation in jeder Theorie, Referent und mentaler Intentionalität unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Referenz verbindet sprachliche Form mit einer konkreten Ausrichtung des Verstehens.

Resonanz

Dasselbe Wort kann seinen Ort behalten und doch jedes Mal auf jemand anderen zeigen.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Referenz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-042. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-042

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-042

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