ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-016 · ATLAS 259

Stamm

Ein Stamm ist in einer morphologischen Analyse die Basis, an die Flexionsmittel anschließen oder auf die eine Flexionsoperation angewandt wird.

Teil des Themenwegs Morphologie und Wortbildung

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Stamm liefert die Grundlage für Flexionsanalysen und die Trennung von Wurzel, Basis und realisierter Wortform. Welche Einheit als Stamm gilt, hängt von der jeweiligen Analyseoperation ab.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein Stamm ist in einer morphologischen Analyse die Basis, an die Flexionsmittel anschließen oder auf die eine Flexionsoperation angewandt wird. Er kann einfach oder bereits abgeleitet und zusammengesetzt sein. Deshalb ist Stamm nicht gleichbedeutend mit Wurzel: Ein Stamm kann mehrere bedeutungstragende Bestandteile enthalten. Im Ablaut-Kontext ist außerdem wichtig, dass innerhalb eines Paradigmas unterschiedliche Stammgestalten auftreten können. Die Analyse muss festlegen, welche Form und welche Operation gemeint sind. Das bloße Abschneiden sichtbarer Endungen liefert nicht in jedem Fall eine eindeutige oder theoretisch neutrale Stammdefinition.

Denkbewegung

1. Wortformen vergleichen. 2. Flexionsoperation bestimmen. 3. Die jeweilige Basis isolieren. 4. Stammalternationen erfassen. 5. Innere Struktur gesondert analysieren.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Paradigmenanalyse kann Stammformen und deren Verteilung dokumentieren.

Beispiel

In einer einfachen Segmentierung von „Freundlichkeit-en“ ist „Freundlichkeit“ Flexionsstamm, obwohl es selbst weiter morphologisch gegliedert werden kann.

Gegenbeispiel

Der Stamm eines komplexen Wortes muss nicht mit seiner kleinsten lexikalischen Basis identisch sein.

Abgrenzung

Stamm von Wurzel, Lemma, vollständiger Wortform und jeder beliebigen Buchstabenfolge unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Stammbegriff macht die Bezugsbasis einer Operation sichtbar.

Resonanz

Was für eine Endung Anfang ist, kann selbst schon gewachsen sein.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Stamm“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-016. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-016

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-016

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