Vertiefung
Ein Stamm ist in einer morphologischen Analyse die Basis, an die Flexionsmittel anschließen oder auf die eine Flexionsoperation angewandt wird. Er kann einfach oder bereits abgeleitet und zusammengesetzt sein. Deshalb ist Stamm nicht gleichbedeutend mit Wurzel: Ein Stamm kann mehrere bedeutungstragende Bestandteile enthalten. Im Ablaut-Kontext ist außerdem wichtig, dass innerhalb eines Paradigmas unterschiedliche Stammgestalten auftreten können. Die Analyse muss festlegen, welche Form und welche Operation gemeint sind. Das bloße Abschneiden sichtbarer Endungen liefert nicht in jedem Fall eine eindeutige oder theoretisch neutrale Stammdefinition.
Denkbewegung
1. Wortformen vergleichen. 2. Flexionsoperation bestimmen. 3. Die jeweilige Basis isolieren. 4. Stammalternationen erfassen. 5. Innere Struktur gesondert analysieren.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Paradigmenanalyse kann Stammformen und deren Verteilung dokumentieren.
Beispiel
In einer einfachen Segmentierung von „Freundlichkeit-en“ ist „Freundlichkeit“ Flexionsstamm, obwohl es selbst weiter morphologisch gegliedert werden kann.
Gegenbeispiel
Der Stamm eines komplexen Wortes muss nicht mit seiner kleinsten lexikalischen Basis identisch sein.
Abgrenzung
Stamm von Wurzel, Lemma, vollständiger Wortform und jeder beliebigen Buchstabenfolge unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Der Stammbegriff macht die Bezugsbasis einer Operation sichtbar.
Resonanz
Was für eine Endung Anfang ist, kann selbst schon gewachsen sein.
Provenienz
Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.
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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Stamm“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-016. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-016Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.