ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-021 · ATLAS 259

Synärese

Synärese bezeichnet im hier gemeinten lautlichen oder metrischen Zusammenhang das Zusammenziehen benachbarter vokalischer Silben zu einer Silbe.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

F · Figur / Verfahren R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Synärese erschließt Zusammenziehung benachbarter Vokalsilben als Verbindung zwischen Lautung und Versmaß. Die Grenze zur wortgrenzenbezogenen Synaloephe muss an der konkreten Realisierung feststehen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Synärese bezeichnet im hier gemeinten lautlichen oder metrischen Zusammenhang das Zusammenziehen benachbarter vokalischer Silben zu einer Silbe. Entscheidend ist die tatsächliche Silbifizierung, nicht nur die Schreibweise zweier Vokale. Der Gegenbegriff Diärese bezeichnet in diesem Zusammenhang eine getrennte Aussprache. Die verwandte Bezeichnung Synizesis wird auch mit überlappendem Bedeutungsumfang verwendet; eine allgemeingültige Gleichsetzung wird hier nicht vorausgesetzt. Für die Analyse sind konkrete Aussprache, Versmaß und sprachlicher Gebrauch gemeinsam zu prüfen. Eine metrisch mögliche Lesart ist nicht automatisch die einzige gewöhnliche Aussprache eines Wortes.

Denkbewegung

1. Vokalfolge bestimmen. 2. Mögliche Silbengrenzen angeben. 3. Aussprache beobachten. 4. Metrischen Kontext prüfen. 5. Terminologische Konvention benennen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Versanalyse kann alternative Silbifizierungen am Rhythmus und an Aussprachebelegen prüfen.

Beispiel

Eine schematische Folge [a.i] mit zwei Silben kann zu [ai̯] mit einer Silbe zusammengezogen werden; der konkrete Sprachbeleg muss separat angegeben werden.

Gegenbeispiel

Zwei Vokalbuchstaben beweisen weder zwei Silben noch eine stattgefundene Zusammenziehung.

Abgrenzung

Synärese von bloßer Buchstabenfolge, jeder Elision und pauschaler Synizesis-Gleichsetzung unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Synärese verändert die zeitliche Gliederung einer Lautfolge.

Resonanz

Zwei vokalische Schritte können zu einem gemeinsamen Takt werden.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Synärese“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-021. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-021

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-021

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