ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-028 · ATLAS 259

Typenverschiebung

Typenverschiebung bezeichnet in der formalen Semantik eine Operation, die einen Ausdruck von einem semantischen Typ in einen anderen überführt oder eine entsprechend angepasste Interpretation ermöglicht.

Teil des Themenwegs Semantik und Zeichen

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Typenverschiebung erklärt angepasste Interpretation durch Wechsel semantischer Typen statt beliebiger Bedeutungsänderung. Der formalsemantische Rahmen und die erlaubte Operation müssen ausdrücklich benannt werden.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Typenverschiebung bezeichnet in der formalen Semantik eine Operation, die einen Ausdruck von einem semantischen Typ in einen anderen überführt oder eine entsprechend angepasste Interpretation ermöglicht. Welche Typen und Regeln angenommen werden, hängt vom theoretischen Modell ab. Im Koerzionskontext kann eine solche Anpassung erklären helfen, wie ein Gegenstandsausdruck in einer ereignisbezogenen Konstruktion verstanden wird. Koerzion und Typenverschiebung sind dennoch nicht in jeder Theorie deckungsgleich: Manche Typoperationen gehören zur regulären Komposition und setzen keinen auffälligen Bedeutungskonflikt voraus. „Typverschiebung“ wird hier als Benennungsvariante von „Typenverschiebung“ verwendet.

Denkbewegung

1. Typanforderung bestimmen. 2. Ausgangsinterpretation angeben. 3. Vorgeschlagene Operation formulieren. 4. Kontextbeschränkungen prüfen. 5. Alternative Analysen vergleichen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Semantik kann konkurrierende Kompositionsmodelle an denselben Interpretationen prüfen.

Beispiel

„Mira begann das Buch“ kann als Beginn des Lesens oder Schreibens verstanden werden; welche Ereignisinterpretation zugänglich ist, hängt vom Kontext ab.

Gegenbeispiel

Nicht jede metaphorische Deutung ist ohne weitere Analyse eine formale Typoperation.

Abgrenzung

Typenverschiebung von jeder Koerzion, beliebiger Umdeutung und Veränderung der Wortart unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Typenverschiebung macht Interpretationsanpassungen modellierbar.

Resonanz

Eine Form bleibt stehen, während ihre Rolle im Zusammenhang wechselt.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Typenverschiebung“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-028. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-028

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-028

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