Vertiefung
Typenverschiebung bezeichnet in der formalen Semantik eine Operation, die einen Ausdruck von einem semantischen Typ in einen anderen überführt oder eine entsprechend angepasste Interpretation ermöglicht. Welche Typen und Regeln angenommen werden, hängt vom theoretischen Modell ab. Im Koerzionskontext kann eine solche Anpassung erklären helfen, wie ein Gegenstandsausdruck in einer ereignisbezogenen Konstruktion verstanden wird. Koerzion und Typenverschiebung sind dennoch nicht in jeder Theorie deckungsgleich: Manche Typoperationen gehören zur regulären Komposition und setzen keinen auffälligen Bedeutungskonflikt voraus. „Typverschiebung“ wird hier als Benennungsvariante von „Typenverschiebung“ verwendet.
Denkbewegung
1. Typanforderung bestimmen. 2. Ausgangsinterpretation angeben. 3. Vorgeschlagene Operation formulieren. 4. Kontextbeschränkungen prüfen. 5. Alternative Analysen vergleichen.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Semantik kann konkurrierende Kompositionsmodelle an denselben Interpretationen prüfen.
Beispiel
„Mira begann das Buch“ kann als Beginn des Lesens oder Schreibens verstanden werden; welche Ereignisinterpretation zugänglich ist, hängt vom Kontext ab.
Gegenbeispiel
Nicht jede metaphorische Deutung ist ohne weitere Analyse eine formale Typoperation.
Abgrenzung
Typenverschiebung von jeder Koerzion, beliebiger Umdeutung und Veränderung der Wortart unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Typenverschiebung macht Interpretationsanpassungen modellierbar.
Resonanz
Eine Form bleibt stehen, während ihre Rolle im Zusammenhang wechselt.
Provenienz
Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Typenverschiebung“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-028. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-028Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.