ATLAS DER SPRACHE

AT-TRA-W0306 · ATLAS 251

Transkreation

Schöpferische Übertragung, die weniger die sprachliche Form als Wirkung, Funktion und kulturelle Anschlussfähigkeit neu erzeugt.

Vertiefung

Transkreation erlaubt weitreichende Veränderungen von Wortspiel, Bild, Ton und kulturellem Bezug. Dadurch wird die Grenze zwischen Übersetzen, Adaptieren und neuer Autorschaft sichtbar und verhandelbar.

Beispiel

Ein unübertragbarer Werbeslogan wird nicht wörtlich übersetzt, sondern durch ein neues Wortspiel ersetzt, das in der Zielsprache dieselbe Haltung auslöst.

Gegenbeispiel

Eine möglichst formnahe Übertragung eines Vertragssatzes ist Übersetzung, aber keine Transkreation.

Abgrenzung

Von Lokalisierung und freier Bearbeitung abgrenzen; entscheidend ist der Auftrag, eine kommunikative Wirkung über Sprach- und Kulturgrenzen neu zu erzeugen.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Sie verschiebt Treue vom Wortlaut zur Wirkung und macht sichtbar, dass Äquivalenz immer eine gewählte Bezugsgröße braucht.

Resonanz

Nicht dieselben Töne werden übertragen, sondern ein neuer Klangkörper wird gebaut, der ähnlich antworten soll.

Etymologie

engl. translation + creation

Provenienz

Kandidatenbank K-0306 → ATLAS_035; übersetzungswissenschaftliche Spezialquelle ergänzen

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Transkreation“. Atlas der Sprache, AT-TRA-W0306. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-TRA-W0306

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