ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G01-018 · ATLAS 259

Fehlschluss

Ein Fehlschluss ist ein Mangel des Schließens oder Argumentierens, durch den eine behauptete Stützung nicht trägt.

Teil des Themenwegs Argumentation, Logik und Diskurs

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Fehlschluss liefert die gemeinsame Prüfgrundlage für besondere Fehler des Argumentierens. Er verlangt, den behaupteten Stützungsanspruch und die verletzte Norm zu benennen. Die Aufnahme schützt dadurch vor der bloßen Etikettierung unliebsamer Aussagen: Weder Unwahrheit noch Meinungsverschiedenheit allein beweisen einen Fehlschluss.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein Fehlschluss ist ein Mangel des Schließens oder Argumentierens, durch den eine behauptete Stützung nicht trägt. Formale Fehler betreffen die Schlussstruktur; informelle Fehler können von Relevanz, Kontext oder Begründungsanforderungen abhängen. Eine wahre Schlussfolgerung macht ein fehlerhaftes Argument nicht nachträglich gültig. Umgekehrt ist eine bloß falsche Behauptung noch kein Fehlschluss, solange kein problematischer Übergang vorliegt. Das Atlasprofil behandelt den Begriff als Prüfaufgabe: Welcher Anspruch wird erhoben, welche Norm soll gelten und an welcher Stelle wird sie verfehlt?

Denkbewegung

1. Die Schlussfolgerung bestimmen. 2. Die angebotenen Gründe rekonstruieren. 3. Den beanspruchten Maßstab der Stützung benennen. 4. Eine ungültige Form oder konkrete Kontextverletzung nachweisen. 5. Die Schlussfrage unabhängig vom fehlerhaften Argument erneut prüfen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Argumentationsforschung kann Fehlertypen samt Kontextbedingungen annotieren und die Zuverlässigkeit solcher Urteile zwischen Auswertenden prüfen.

Beispiel

»Wenn der Alarm ausgelöst wird, leuchtet die Lampe. Die Lampe leuchtet, also wurde der Alarm ausgelöst.« Eine Testschaltung könnte die Lampe ebenfalls einschalten.

Gegenbeispiel

Die wahre Beobachtung »Die Lampe leuchtet« ist selbst kein Fehlschluss. Auch das Aufzeigen eines Fehlers beweist nicht, dass der Alarm tatsächlich ausblieb.

Abgrenzung

Von Lüge, falscher Aussage, schwachem Stil und Meinungsverschiedenheit unterscheiden. Die Fehlerdiagnose braucht einen Nachweis, kein bloßes Schlagwort.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Aufmerksamkeit wandert vom Eindruck einer überzeugenden Rede zu ihren tatsächlichen Stützungsbeziehungen.

Resonanz

Ein scheinbar tragender Übergang bricht auf; die offene Frage verlangt einen neuen Weg.

Provenienz

Der SEP-Überblick problematisiert die Einheitlichkeit von Fehlschlusstheorien; Wilson führt praktische Prüfungen der argumentativen Stützung vor. Ein Fehlername ersetzt daher nicht die Rekonstruktion des konkreten Fehlers. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Fehlschluss“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G01-018. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G01-018

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G01-018

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