ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-014 · ATLAS 259

Glottalisierung

Glottalisierung umfasst glottalen Verschluss oder glottale Verengung, die einen Sprachlaut verändern, etwa durch glottale Verstärkung, glottale Ersetzung oder knarrende Phonation.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

E · Exemplarischer Fall R3 · Begründeter exemplarischer Fall

Glottalisierung zeigt exemplarisch mehrere Wege glottaler Beteiligung an sprachlicher Lautgestaltung. Verschluss, Verstärkung und knarrende Phonation dürfen nicht als ein einziger Prozess gelten.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Glottalisierung betrifft eine Beteiligung der Stimmritze, die je nach Beschreibung als stärkere Verengung, unregelmäßige Schwingung oder glottaler Verschluss hervortritt. Der Ausdruck hat deshalb nur mit einer angegebenen phonetischen Realisierung genügend Schärfe. Im Zusammenhang mit Debukkalisierung ist besonders wichtig, dass zusätzliche glottale Aktivität nicht automatisch einen verlorenen oralen Artikulationsort bedeutet. Ein Laut kann glottal verstärkt werden, während seine orale Bildung erhalten bleibt. Erst der Befund entscheidet, ob Begleitung, Ersatz oder ein historischer Wandel vorliegt.

Denkbewegung

1. Die glottale Realisierung wird beschrieben. 2. Die orale Artikulation wird unabhängig geprüft. 3. Zeitliche Überlagerung und Ersatz werden getrennt. 4. Variation wird von historischem Wandel unterschieden. 5. Der verwendete Glottalisierungsbegriff wird offengelegt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Akustische und artikulatorische Verfahren sollten gemeinsam angeben, welche Beobachtung die Klassifikation trägt.

Beispiel

In einer konstruierten Messreihe bleibt ein oraler Verschluss erhalten, während zusätzlich glottale Aktivität auftritt. Das spricht zunächst für Verstärkung, nicht für vollständigen Ersatz.

Gegenbeispiel

Eine knarrende Passage beweist für sich keinen Verlust eines oralen Konsonantenortes.

Abgrenzung

Glottalen Verschluss, Knarrstimme, Glottalersatz und Debukkalisierung nicht pauschal gleichsetzen.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff erschließt die Koordination mehrerer Artikulationsvorgänge.

Resonanz

Ein Laut kann an mehreren Stellen zugleich geformt werden; eine neue Spur löscht die andere nicht notwendig aus.

Provenienz

Peter Ladefoged / Keith Johnson: A Course in Phonetics, 7th ed., 2015 erschließt für „Glottalisierung“ den Bereich Fricatives, glottal articulation and consonant sequences; David Crystal: A Dictionary of Linguistics and Phonetics, 6th ed., 2008 setzt mit Entries on glottalisation, homography, grammar and historical style einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Artikulatorische Beteiligung der Glottis, etwa als Glottalverschluss oder glottalisierte Phonation.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Glottalisierung“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-014. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-014

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-014

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.