ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-027 · ATLAS 259

Infinitiv

Nichtfinite Verbform mit sprachspezifischen nominalen und verbalen Eigenschaften.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Infinitiv ist nötig, um nichtfinite Formen und ihre nominalen wie verbalen Verwendungsmöglichkeiten zu vergleichen. Die Mischmerkmale sind sprachspezifisch und keine überall identische Wortart.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein Infinitiv ist eine nichtfinite Verbform. Im Deutschen dient er unter anderem als Wörterbuchform und tritt in unterschiedlichen Verbverbindungen und Infinitivkonstruktionen auf. Seine Form entscheidet jedoch nicht allein über die Struktur des gesamten Satzes. Gerade die Herkunftsverweise Raising und Kontrollkonstruktion zeigen, dass ähnlich aussehende Infinitive mit unterschiedlichen Beziehungen zwischen Beteiligten verbunden sein können. Auch zu ist kein universelles Erkennungszeichen: Deutsche Infinitive kommen mit und ohne dieses Element vor. Der Eintrag trennt daher die morphologische Form von ihrer syntaktischen Einbettung und semantischen Rollenverteilung.

Denkbewegung

1. Die Verbform wird bestimmt. 2. Einbettendes Prädikat und Konstruktion werden untersucht. 3. Die verstandenen Beteiligten werden identifiziert. 4. Anhebung und Kontrolle werden als verschiedene Analysen geprüft. 5. Die Formbeschreibung wird auf die untersuchte Sprache begrenzt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Syntaktische Studien können verschiedene Matrixprädikate vergleichen und ihre Rollen- und Kombinationsbeschränkungen testen.

Beispiel

„Nora scheint zu schlafen“ und „Nora versucht zu schlafen“ enthalten denselben Infinitiv. Versuchen schreibt Nora zusätzlich eine Rolle im übergeordneten Versuchsgeschehen zu.

Gegenbeispiel

Das Fehlen von zu in „Nora kann schlafen“ macht schlafen nicht zu einer finiten Form.

Abgrenzung

Infinitiv von finiter Form, substantiviertem Gebrauch und der gesamten Infinitivkonstruktion unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Infinitiv zeigt, dass ähnliche Form nicht gleiche Satzstruktur bedeutet.

Resonanz

Eine Handlung bleibt sprachlich offen für unterschiedliche Einbettungen: als Möglichkeit, Versuch oder erscheinender Sachverhalt.

Provenienz

Rodney Huddleston / Geoffrey K. Pullum: The Cambridge Grammar of the English Language, 2002 erschließt für „Infinitiv“ den Bereich Clause status, infinitivals, coordination, copular clauses and degree; William D. Davies / Stanley Dubinsky: The Grammar of Raising and Control, 2004 setzt mit Infinitival complements, raising and control einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Nichtfinite Verbform mit sprachspezifischen nominalen und verbalen Eigenschaften.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Infinitiv“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-027. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-027

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-027

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