ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-034 · ATLAS 259

Kognition

Wahrnehmen, Erinnern, Schließen und Begriffsbilden im Embodiment-Kontext.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Kognition ist eine notwendige Grundlage, um sprachliches Verstehen mit Wahrnehmen, Erinnern und Schließen in Beziehung zu setzen. Das Profil verhindert, dass eine einzelne sprachliche Leistung mit dem gesamten Bereich geistiger Verarbeitung verwechselt wird.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Kognition bezeichnet einen weiten Bereich von Leistungen wie Wahrnehmen, Erinnern, Lernen, Denken und Problemlösen. Welche Prozesse dazu zählen und wie sie erklärt werden, hängt vom theoretischen Ansatz ab. Kognition ist weder auf bewusstes Nachdenken noch auf sprachlich formulierte Regeln beschränkt. Umstritten ist unter anderem, wie weit Körper, Handlung und soziale oder technische Umgebung als Bestandteile kognitiver Prozesse gelten sollen. Der Eintrag bietet daher einen Zugang zum Forschungsbereich, ohne eine interne Symbolverarbeitung oder eine bestimmte verkörperte Theorie zur einzig möglichen Definition zu machen. Für konkrete Untersuchungen muss jeweils angegeben werden, welche Leistung und welche Erklärungsebene gemeint sind.

Denkbewegung

1. Eine beobachtbare Aufgabe wird ausgewählt. 2. Die benötigten Leistungen werden unterschieden. 3. Ein Erklärungsmodell wird formuliert. 4. Seine Vorhersagen werden operationalisiert. 5. Befunde werden mit alternativen Modellen verglichen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Studie kann Gedächtnisleistung, Blickverhalten und Hilfsmittelnutzung getrennt erfassen und ihre Wechselwirkungen prüfen.

Beispiel

Beim Wiederfinden eines Weges können visuelle Wiedererkennung, räumliches Gedächtnis und die Nutzung einer Karte zusammenwirken.

Gegenbeispiel

Dass jemand eine Regel nicht sprachlich erklären kann, zeigt allein nicht, dass beim Handeln keine kognitive Leistung vorliegt.

Abgrenzung

Kognition von Bewusstsein, Intelligenz, Gehirnaktivität und einer einzelnen Kognitionstheorie unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff verbindet mehrere Forschungsfragen, verlangt aber jeweils eine genaue Eingrenzung.

Resonanz

Orientierung kann schon entstehen, bevor ein Gedanke als Satz vorliegt.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Kognition“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-034. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-034

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-034

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