ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-031 · ATLAS 259

Kategorie

Zusammenfassung von Fällen anhand geteilter, prototypischer oder regelgeleiteter Kriterien.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Kategorie ist nötig, um regelbasierte Klassen und prototypische Familien in der Auswahl vergleichen zu können. Nicht jede Sammelbezeichnung besitzt dieselbe Struktur oder dieselben Zugehörigkeitskriterien.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Eine Kategorie fasst Gegenstände, Ereignisse oder andere Einheiten unter einem Gesichtspunkt zusammen. Diese Zusammenfassung kann durch ausdrücklich festgelegte Bedingungen erfolgen oder sich im Gebrauch an typischen Fällen orientieren. Mitgliedschaft und Typikalität sind dabei verschiedene Fragen: Ein Mitglied kann ungewöhnlich sein, ohne deshalb nur teilweise zur Kategorie zu gehören. Ebenso sind die Kategorie, der Begriff, mit dem sie gedacht wird, und das Wort, mit dem man sie bezeichnet, analytisch zu unterscheiden. Der Eintrag hält diese Ebenen offen, statt eine bestimmte Theorie der Begriffe bereits mit der allgemeinen Bezeichnung Kategorie vorauszusetzen.

Denkbewegung

1. Ein Klassifikationszweck wird genannt. 2. Mögliche Mitglieder werden untersucht. 3. Die Zugehörigkeitsregel wird expliziert. 4. Typikalitätsurteile werden getrennt erhoben. 5. Grenzfälle prüfen die Reichweite des Modells.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Experimente können Zugehörigkeitsurteile und Reaktionszeiten auf typische und untypische Beispiele getrennt auswerten.

Beispiel

In einer Verwaltungskategorie gehören alle eingereichten Anträge mit Eingangsdatum Montag zusammen. Inhaltliche Ähnlichkeit spielt für diese Regel keine Rolle.

Gegenbeispiel

Ein besonders typischer Vogel ist nicht allein deshalb ein vollständigeres Mitglied einer biologischen Klasse als ein ungewöhnlicher Vogel.

Abgrenzung

Kategorie, einzelnes Mitglied, Bezeichnung und theoretisches Kategorienmodell unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Unterscheidung verhindert, dass ein gut passendes Beispiel mit der Definition verwechselt wird.

Resonanz

Ordnung entsteht durch Zusammennehmen; ihre Grenzen zeigen, welcher Gesichtspunkt dabei wirksam war.

Provenienz

Eleanor Rosch: Cognitive Representations of Semantic Categories, 1975 erschließt für „Kategorie“ den Bereich Journal of Experimental Psychology: General 104(3), 192–233; George Lakoff: Women, Fire, and Dangerous Things, 1987 setzt mit Categories, prototypes and cognitive models einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Zusammenfassung von Fällen anhand geteilter, prototypischer oder regelgeleiteter Kriterien.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Kategorie“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-031. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-031

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-031

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