ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-042 · ATLAS 259

Konsonantencluster

Folge benachbarter Konsonanten innerhalb einer phonologisch bestimmten Domäne.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Konsonantencluster liefert die Grundlage für Vergleiche von Lautnachbarschaft und phonotaktischen Möglichkeiten. Die relevante Domäne muss angegeben werden, weil Wort- und Silbengrenzen verschieden wirken.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein Konsonantencluster ist eine Folge von Konsonanten ohne dazwischenliegenden Vokal. Welche Einheiten gezählt werden und welche Grenzen die Untersuchung zulässt, muss angegeben werden: Ein Cluster kann innerhalb einer Silbe, über eine Silbengrenze oder in einer Wortverbindung betrachtet werden. Die Schreibweise ist dafür kein zuverlässiger Ersatz. Mehrere Buchstaben können einen Laut wiedergeben, und eine Affrikate kann je nach Analyse als eine Einheit behandelt werden, obwohl ihre Artikulation zwei Phasen umfasst. Der Eintrag richtet den Blick deshalb auf die Lautstruktur und die verwendete phonologische Analyse, nicht auf die bloße Häufung geschriebener Konsonantenbuchstaben.

Denkbewegung

1. Die Äußerung wird lautlich beschrieben. 2. Konsonanten und Vokale werden bestimmt. 3. Relevante Grenzen werden markiert. 4. Der Status komplexer Einheiten wird geklärt. 5. Die Cluster werden nach dem gewählten Verfahren gezählt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Spracherwerbsforschung kann prüfen, welche lautlichen Folgen Lernende vereinfachen und ob Wort- oder Silbenposition dabei eine Rolle spielt.

Beispiel

Im englischen Wort stop folgen am Wortanfang /s/ und /t/ ohne Vokal aufeinander. Das geschriebene deutsche sch kann dagegen einen einzelnen Laut /ʃ/ wiedergeben.

Gegenbeispiel

Drei Konsonantenbuchstaben belegen nicht automatisch einen Cluster aus drei Konsonantenlauten.

Abgrenzung

Konsonantencluster von Buchstabenfolge, Affrikate und beliebiger Folge mehrerer Silben unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Unterscheidung schützt Lautanalysen vor irreführenden Schrifteindrücken.

Resonanz

Eine scheinbar dichte Buchstabenfolge kann im Hören ganz anders gegliedert sein.

Provenienz

Catherine Anderson et al.: Essentials of Linguistics, 2nd edition erschließt für „Konsonantencluster“ den Bereich Phonetics, phonology, syntax and morphology; G. N. Clements: The Role of the Sonority Cycle in Core Syllabification, 1990 setzt mit Consonant sequencing and sonority einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Folge benachbarter Konsonanten innerhalb einer phonologisch bestimmten Domäne.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Konsonantencluster“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-042. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-042

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-042

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