ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-043 · ATLAS 259

Konsonanz

Gezielte Wiederkehr ähnlicher Konsonanten in hervorgehobenen Positionen.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

F · Figur / Verfahren R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Konsonanz erschließt wiederkehrende Konsonanten als gestaltete Klangbeziehung neben Alliteration und Reim. Zufälliges Vorkommen derselben Laute belegt noch keine hervorgehobene Relation.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Konsonanz bezeichnet hier die Wiederkehr gleicher oder ähnlicher Konsonantenlaute in benachbarten oder aufeinander bezogenen Ausdrücken. Sie kann einen klanglichen Zusammenhang schaffen, ohne einen vollständigen Reim herzustellen. Ihre genaue Abgrenzung gegenüber Alliteration und anderen Wiederholungsfiguren hängt von der verwendeten Beschreibungstradition ab; insbesondere ist anzugeben, ob nur bestimmte Wortpositionen zählen. Für die Untersuchung zählt die Lautung, nicht allein die Schreibung. Der Eintrag verwendet den literarischen Begriff und trennt ihn von musikalischer Konsonanz. Eine wiederkehrende Lautstruktur begründet außerdem für sich noch keine bestimmte Stimmung oder nachweisbare Absicht des Autors.

Denkbewegung

1. Eine Passage wird in ihrer Lautung betrachtet. 2. Wiederkehrende Konsonanten werden markiert. 3. Ihre Positionen werden verglichen. 4. Andere Klangbindungen werden getrennt erfasst. 5. Die Wirkung wird im Kontext begründet.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Stilanalyse kann Lautmuster zählen und anschließend prüfen, ob sie an wichtigen Textstellen gehäuft auftreten.

Beispiel

Im selbst gebildeten englischen Paar „blank / blink“ kehren /b/, /l/, /ŋ/ und /k/ bei verändertem Vokal wieder. Das illustriert konsonantische Übereinstimmung ohne vollständigen Reim.

Gegenbeispiel

Gleich geschriebene Buchstaben sind bei unterschiedlicher Aussprache kein hinreichender Beleg für Lautwiederholung.

Abgrenzung

Literarische Konsonanz von musikalischer Konsonanz, Assonanz, Alliteration und vollständigem Reim unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Konsonantische Wiederkehr kann Ausdrücke klanglich aufeinander beziehen.

Resonanz

Ein Klanggerüst bleibt erkennbar, während sich der Vokal und mit ihm das Wort verändert.

Provenienz

Roman Jakobson: Closing Statement: Linguistics and Poetics, 1960 erschließt für „Konsonanz“ den Bereich Sound patterning and the poetic and phatic functions; Heinrich Lausberg: Handbook of Literary Rhetoric, English ed. 1998 setzt mit Colon, period, sound figures and rhetorical ordering einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Gezielte Wiederkehr ähnlicher Konsonanten in hervorgehobenen Positionen.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Konsonanz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-043. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-043

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-043

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.