Vertiefung
Konversität ist eine Bedeutungsbeziehung zwischen relationalen Ausdrücken, die denselben Sachverhalt mit vertauschter Zuordnung der beteiligten Rollen beschreiben. Wenn Lea bei einem gewöhnlichen direkten Geschäft ein Buch von Nils kauft und Nils dabei als Verkäufer handelt, verkauft Nils dieses Buch an Lea. Dieses Beispiel begründet keine uneingeschränkte Gleichwertigkeit der lexikalischen Bedeutungen von kaufen und verkaufen: Vermittelte Käufe und andere Verwendungen müssen gesondert analysiert werden. Die Ausdrücke stehen dabei nicht einfach als Behauptung und Verneinung gegeneinander. Auch eine Handlung rückgängig zu machen ist etwas anderes: Der Perspektivwechsel beschreibt weiterhin dasselbe Geschehen. Eine saubere Analyse hält Zeit, Gegenstand und weitere Bedingungen konstant und prüft dann, ob die entsprechende Rollenvertauschung die Aussage erhält.
Denkbewegung
1. Ein relationaler Ausdruck wird analysiert. 2. Seine Beteiligtenrollen werden bestimmt. 3. Ein möglicher konverser Ausdruck wird eingesetzt. 4. Die Rollen werden passend vertauscht. 5. Es wird geprüft, ob dieselbe Situation unter denselben relevanten Bedingungen beschrieben wird.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Lexikalische Semantik kann Konversenpaare mit kontrollierten Beispielen auf wechselseitige Folgerungsbeziehungen testen.
Beispiel
„Lea ist älter als Nils“ entspricht unter demselben Altersvergleich „Nils ist jünger als Lea“.
Gegenbeispiel
„Lea kauft nicht“ ist keine konverse Beschreibung von „Lea kauft“. Ebenso bezeichnet eine spätere Rückgabe ein anderes Ereignis.
Abgrenzung
Konversität von Negation, Gradgegensatz und Umkehrung eines Handlungsablaufs unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Der Begriff zeigt, wie Sprache dieselbe Beziehung von verschiedenen Beteiligten aus zugänglich macht.
Resonanz
Der Blick wechselt die Seite, während die Beziehung bestehen bleibt.
Provenienz
D. Alan Cruse: Meaning in Language, 3rd ed., 2011 erschließt für „Konversität“ den Bereich Sense relations, meronymy, opposition, converses and categorisation; John Lyons: Linguistic Semantics, 1995 setzt mit Sense relations, reference, opposition and lexical structure einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Semantische Relation zwischen Ausdrücken für dieselbe asymmetrische Beziehung aus vertauschter Perspektive.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Konversität“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-046. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-046Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.