Vertiefung
Kookkurrenz bezeichnet das gemeinsame Auftreten sprachlicher Einheiten innerhalb eines definierten Untersuchungsbereichs. Dieser Bereich kann etwa ein Satz, ein Text oder ein Fenster bestimmter Wortbreite sein. Ohne diese Festlegung ist eine Häufigkeitsangabe kaum vergleichbar. Zudem sind bloße gemeinsame Häufigkeit und statistisch auffällige Verbindung verschiedene Befunde: Sehr häufige Wörter begegnen einander schon aufgrund ihrer Grundhäufigkeit oft. Assoziationsmaße setzen beobachtete Werte deshalb in Beziehung zu einer ausdrücklich bestimmten Vergleichsbasis. Welche Verbindung sprachlich bedeutsam ist, bleibt zusätzlich zu interpretieren. Kookkurrenz allein beweist weder eine feste Kollokation noch einen kausalen oder begrifflichen Zusammenhang.
Denkbewegung
1. Das Korpus wird festgelegt. 2. Einheiten und Suchbereich werden definiert. 3. Gemeinsame Vorkommen werden gezählt. 4. Grundhäufigkeiten und Vergleichswerte werden berücksichtigt. 5. Der Befund wird anhand konkreter Belege interpretiert.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Eine reproduzierbare Korpusanalyse speichert Tokenisierung, Fenstergröße, Korpusumfang und verwendetes Assoziationsmaß.
Beispiel
Eine Untersuchung zählt hell und Licht im selben Satz; eine andere zählt nur unmittelbare Nachbarschaft. Die Ergebnisse beantworten unterschiedliche Fragen.
Gegenbeispiel
Eine hohe gemeinsame Rohhäufigkeit kann allein daraus entstehen, dass beide Wörter im Korpus sehr häufig sind.
Abgrenzung
Kookkurrenz von Kollokation, statistischer Assoziation, Bedeutungsgleichheit und Kausalität unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Die Methode macht wiederkehrende Verbindungen untersuchbar und ihre Voraussetzungen kontrollierbar.
Resonanz
Was oft gemeinsam erscheint, lädt zum Deuten ein, ohne die Deutung schon mitzuliefern.
Provenienz
J. R. Firth: Modes of Meaning, 1957 erschließt für „Kookkurrenz“ den Bereich Meaning by collocation and habitual company; John Sinclair: Corpus, Concordance, Collocation, 1991 setzt mit Corpus evidence, co-occurrence and collocation einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Gemeinsames Auftreten sprachlicher Einheiten in einer definierten Umgebung.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Kookkurrenz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-049. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-049Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.