ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-049 · ATLAS 259

Kookkurrenz

Gemeinsames Auftreten sprachlicher Einheiten in einer definierten Umgebung.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Kookkurrenz bietet eine überprüfbare Grundlage für das gemeinsame Auftreten sprachlicher Formen. Beobachtete Nachbarschaft allein beweist weder kausale Bindung noch eine feste Kollokation.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Kookkurrenz bezeichnet das gemeinsame Auftreten sprachlicher Einheiten innerhalb eines definierten Untersuchungsbereichs. Dieser Bereich kann etwa ein Satz, ein Text oder ein Fenster bestimmter Wortbreite sein. Ohne diese Festlegung ist eine Häufigkeitsangabe kaum vergleichbar. Zudem sind bloße gemeinsame Häufigkeit und statistisch auffällige Verbindung verschiedene Befunde: Sehr häufige Wörter begegnen einander schon aufgrund ihrer Grundhäufigkeit oft. Assoziationsmaße setzen beobachtete Werte deshalb in Beziehung zu einer ausdrücklich bestimmten Vergleichsbasis. Welche Verbindung sprachlich bedeutsam ist, bleibt zusätzlich zu interpretieren. Kookkurrenz allein beweist weder eine feste Kollokation noch einen kausalen oder begrifflichen Zusammenhang.

Denkbewegung

1. Das Korpus wird festgelegt. 2. Einheiten und Suchbereich werden definiert. 3. Gemeinsame Vorkommen werden gezählt. 4. Grundhäufigkeiten und Vergleichswerte werden berücksichtigt. 5. Der Befund wird anhand konkreter Belege interpretiert.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine reproduzierbare Korpusanalyse speichert Tokenisierung, Fenstergröße, Korpusumfang und verwendetes Assoziationsmaß.

Beispiel

Eine Untersuchung zählt hell und Licht im selben Satz; eine andere zählt nur unmittelbare Nachbarschaft. Die Ergebnisse beantworten unterschiedliche Fragen.

Gegenbeispiel

Eine hohe gemeinsame Rohhäufigkeit kann allein daraus entstehen, dass beide Wörter im Korpus sehr häufig sind.

Abgrenzung

Kookkurrenz von Kollokation, statistischer Assoziation, Bedeutungsgleichheit und Kausalität unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Methode macht wiederkehrende Verbindungen untersuchbar und ihre Voraussetzungen kontrollierbar.

Resonanz

Was oft gemeinsam erscheint, lädt zum Deuten ein, ohne die Deutung schon mitzuliefern.

Provenienz

J. R. Firth: Modes of Meaning, 1957 erschließt für „Kookkurrenz“ den Bereich Meaning by collocation and habitual company; John Sinclair: Corpus, Concordance, Collocation, 1991 setzt mit Corpus evidence, co-occurrence and collocation einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Gemeinsames Auftreten sprachlicher Einheiten in einer definierten Umgebung.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Kookkurrenz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-049. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-049

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-049

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