ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-045 · ATLAS 259

Kontiguität

Räumliche, zeitliche oder konzeptuelle Nachbarschaft als Grundlage metonymischer Verknüpfung.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Kontiguität ist nötig, um metonymische Verbindungen durch Nachbarschaft von Übertragung durch Ähnlichkeit zu unterscheiden. Die konkrete räumliche, zeitliche oder begriffliche Beziehung muss nachweisbar sein.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Kontiguität bezeichnet im Umfeld der Metonymie einen Zusammenhang durch Nachbarschaft oder sachliche Zusammengehörigkeit. Diese Nähe muss nicht räumlich sein: Personen, Handlungen, Orte und Erzeugnisse können innerhalb eines vertrauten Ereignis- oder Wissensrahmens verbunden sein. Der Zusammenhang kann ermöglichen, mit einer Bezeichnung auf etwas anderes innerhalb dieses Rahmens zu verweisen. Er ist aber nicht schon jede beliebige Assoziation, und die bloße Existenz einer Beziehung beweist noch keinen metonymischen Gebrauch. Die Analyse muss zeigen, welche Verbindung im konkreten Ausdruck aktiviert wird und wie sie den Übergang zum gemeinten Bezug trägt.

Denkbewegung

1. Der wörtliche Bezug wird bestimmt. 2. Der im Kontext gemeinte Bezug wird erschlossen. 3. Ein verbindender Wissensrahmen wird angegeben. 4. Die relevante Beziehung wird beschrieben. 5. Alternative Deutungen werden geprüft.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Metonymieanalyse kann Raum-, Produktions- und Beteiligungsbeziehungen getrennt annotieren und ihre Kontextabhängigkeit prüfen.

Beispiel

„Der ganze Saal applaudierte“ kann über den Ort auf die dort versammelten Menschen verweisen. Der Zusammenhang beruht auf ihrer Anwesenheit im Saal.

Gegenbeispiel

Zwei Gegenstände können ähnlich aussehen, ohne im gemeinten Sinn kontig zu sein; Ähnlichkeit begründet eine andere Art von Verbindung.

Abgrenzung

Kontiguität von Ähnlichkeit, bloßer persönlicher Assoziation und bereits vollzogener Metonymie unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Kontiguität erklärt, wie Bezug innerhalb eines geteilten Zusammenhangs verschoben werden kann.

Resonanz

Ein Wort berührt seinen Nachbarn im Wissen und lässt ihn mitgemeint werden.

Provenienz

Roman Jakobson: Two Aspects of Language and Two Types of Aphasic Disturbances, 1956 erschließt für „Kontiguität“ den Bereich Similarity, contiguity, metaphor and metonymy; Antonio Barcelona (ed.): Metaphor and Metonymy at the Crossroads, 2000 setzt mit Contiguity and conceptual metonymy einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Räumliche, zeitliche oder konzeptuelle Nachbarschaft als Grundlage metonymischer Verknüpfung.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Kontiguität“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-045. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-045

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-045

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