Vertiefung
Das Nachfeld ist im topologischen Modell des deutschen Satzes der Bereich nach der rechten Satzklammer. Besonders umfangreiche Einheiten können dort stehen und den vorausgehenden Satzrahmen entlasten. Die Bestimmung ist strukturell, nicht einfach gleichbedeutend mit „alles am Satzende“. Zusätzlich können rechtsperiphere Ausdrücke auftreten, die ein Modell einem Außenfeld oder einer gesonderten Nachtragsposition zuordnet. Auch eine nicht sichtbar besetzte rechte Klammer erfordert eine Analyse des Satzmusters. Im Herkunftskontext Extraposition hilft das Nachfeld deshalb, eine Position zu beschreiben; die Annahme eines tatsächlichen Verschiebungsvorgangs ist damit noch nicht theoretisch entschieden.
Denkbewegung
1. Das Satzmuster wird bestimmt. 2. Die linke und rechte Klammer werden identifiziert. 3. Material rechts der Klammer wird abgegrenzt. 4. Syntaktische Integration und Prosodie werden geprüft. 5. Die Zuordnung zum Nachfeld oder Außenbereich wird begründet.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Grammatische Forschung kann Länge, Satztyp und Informationsstruktur von Nachfeldbesetzungen getrennt vergleichen.
Beispiel
In „Sie hat angekündigt, dass sie später kommt“ folgt der dass-Satz auf angekündigt, den rechten Teil der Verbklammer.
Gegenbeispiel
Ein abgesetztes „die Nachbarin“ nach einem vollständigen Satz mit sie ist nicht ohne Prüfung reguläre Nachfeldbesetzung.
Abgrenzung
Nachfeld von rechtem Außenfeld, Nachtrag, Rechtsversetzung und einer bestimmten Bewegungstheorie unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Das Modell zeigt, wie lineare Entlastung und syntaktische Zugehörigkeit zusammenwirken.
Resonanz
Der Satzrahmen kann sich schließen, während ein zugehöriger Gedanke noch folgt.
Provenienz
Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Nachfeld“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-012. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-012Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.