ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G04-022 · ATLAS 259

Ontologie

Ontologie untersucht, welche Arten von Seiendem angenommen werden und wie sie grundsätzlich aufeinander bezogen sind.

Teil des Themenwegs Argumentation, Logik und Diskurs

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Ontologie ist eine notwendige Grundlage, um zu prüfen, welche Arten von Dingen, Vorgängen und Beziehungen unsere Beschreibungen voraussetzen. Das Profil unterscheidet solche Voraussetzungen von ihrer Darstellung in einer bestimmten Taxonomie.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ontologie untersucht, welche Arten von Seiendem angenommen werden und wie sie grundsätzlich aufeinander bezogen sind. Eine Theorie kann etwa zwischen Gegenständen, Eigenschaften und Ereignissen unterscheiden; andere Ansätze ziehen diese Grenzen anders oder bestreiten ihren fundamentalen Status. Im Herkunftskontext Kategorienfehler wird relevant, ob eine Zuschreibung eine Kategorie voraussetzt, zu der ihr Gegenstand nicht gehört. Eine grammatisch korrekte Form entscheidet diese Frage nicht. Ontologische Gliederung ist außerdem von einer technischen Ontologie als ausdrücklich modelliertem Begriffssystem zu unterscheiden. Ein Datenmodell kann ontologische Annahmen enthalten, liefert aber nicht schon den Beweis, dass die Welt genau nach seinem Schema gegliedert ist.

Denkbewegung

1. Die vorausgesetzten Entitäten werden gesammelt. 2. Grundlegende Kategorien werden unterschieden. 3. Ihre Beziehungen werden expliziert. 4. Problematische Zuschreibungen prüfen die Einteilung. 5. Alternative Ontologien werden vergleichend betrachtet.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Begriffsanalyse kann zeigen, welche Existenzannahmen ein Modell für seine Erklärungen benötigt.

Beispiel

Die Frage nach dem Gewicht eines Versprechens kann metaphorisch sinnvoll sein; als wörtliche Frage nach seiner Masse setzt sie eine erklärungsbedürftige Kategoriezuordnung voraus.

Gegenbeispiel

Eine Datenbankklasse mit dem Namen Ereignis beweist nicht, dass Ereignisse in jeder philosophischen Theorie selbstständige Entitäten sind.

Abgrenzung

Ontologie von bloßem Inventar, Grammatik, technischer Taxonomie und einer abschließend bewiesenen Weltordnung unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Ontologie macht die oft unsichtbaren Grundentscheidungen einer Beschreibung sichtbar.

Resonanz

Bevor wir Dinge ordnen, haben wir meist schon entschieden, was als Ding gelten darf.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Ontologie“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-022. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-022

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-022

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