ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G04-034 · ATLAS 259

Propriozeption

Propriozeption betrifft Informationen über Stellung, Bewegung und Kraftverhältnisse des eigenen Körpers.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Propriozeption ist eine notwendige körperliche Grundlage für die Untersuchung von Orientierung und verkörpertem Sprachverstehen. Sie hält Körperwahrnehmung und deren mögliche begriffliche oder metaphorische Verarbeitung auseinander.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Propriozeption betrifft Informationen über Stellung, Bewegung und Kraftverhältnisse des eigenen Körpers. Sie beruht auf mehreren peripheren und zentralen Beiträgen und ist nicht auf eine einzige Rezeptorart zu reduzieren. Im Anschluss an Interozeption hilft der Begriff, verschiedene Zugänge zur Körperwahrnehmung auseinanderzuhalten. Die Grenzen der verwendeten Einteilung müssen dabei genannt werden: Manche weiten Begriffe von Interozeption schließen zusätzliche körperbezogene Signale ein. Visuelle Kontrolle und vestibuläre Information können die Orientierung unterstützen, sind aber nicht mit der eng gefassten propriozeptiven Information aus dem Bewegungsapparat identisch. Der Eintrag beschreibt eine Wahrnehmungsdimension und keine aus einem Einzeltest ableitbare Diagnose.

Denkbewegung

1. Die untersuchte Körperinformation wird benannt. 2. Mögliche sensorische Beiträge werden unterschieden. 3. Visuelle Rückmeldung wird kontrolliert. 4. Aufgabe und Antwortmaß werden festgelegt. 5. Die Aussagekraft des Ergebnisses wird begrenzt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Wahrnehmungsstudie kann Positionsabgleich und Bewegungswahrnehmung getrennt untersuchen.

Beispiel

Eine Person versucht mit geschlossenen Augen, die Stellung eines Arms mit dem anderen nachzubilden. Wird dagegen eine zuvor eingenommene Stellung nach einer Unterbrechung reproduziert, kommt eine Gedächtnisanforderung hinzu. Die Aufgaben sind deshalb getrennt zu beurteilen.

Gegenbeispiel

Das Ablesen der Armstellung im Spiegel misst nicht ausschließlich Propriozeption; sichtbare Information kann die Aufgabe unterstützen.

Abgrenzung

Propriozeption von rein visueller Kontrolle, vestibulärer Orientierung, Interozeption im engeren Sinn und klinischer Einzeldiagnose unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff erschließt Orientierung, die nicht erst durch den Blick auf den Körper entsteht.

Resonanz

Der Körper kann seinen Ort spüren, bevor die Augen ihn suchen.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Propriozeption“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-034. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-034

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-034

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