Vertiefung
Selbstreferenz liegt vor, wenn ein Ausdruck, Text oder System in einem bestimmten Sinn auf sich selbst Bezug nimmt. Dabei muss angegeben werden, was als Bezugseinheit gilt: ein Satz, seine Äußerung, ein ganzes Werk oder ein formales Verfahren. Selbstbezug kann direkt oder vermittelt hergestellt werden und führt nicht notwendig zu einem Widerspruch. Eine Erzählung über das Erzählen ist ebenfalls nicht automatisch auf genau sich selbst bezogen. Im Umfeld von Paradoxon, Mise en abyme und Metafiktion hilft der Begriff daher, verschiedene Reflexionsformen auseinanderzuhalten, statt jede Metaebene als logische Paradoxie zu behandeln.
Denkbewegung
1. Bezugseinheit bestimmen. 2. Verweisstruktur rekonstruieren. 3. Direkten und vermittelten Bezug unterscheiden. 4. Aussagebedingungen prüfen. 5. Eine mögliche Paradoxie gesondert untersuchen.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Literatur- und Logikanalyse können Selbstbezug und seine jeweiligen Folgen getrennt modellieren.
Beispiel
„Dieser Satz enthält fünf Wörter“ bezieht sich auf seine eigene sprachliche Gestalt; die Behauptung lässt sich durch Zählen prüfen.
Gegenbeispiel
Ein Roman über einen anderen Roman ist nicht schon deshalb selbstreferenziell.
Abgrenzung
Selbstreferenz von Metasprache, Wiederholung, Rekursion und notwendigem Widerspruch unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Selbstreferenz macht die beschreibende Form selbst zum Gegenstand.
Resonanz
Der Zeiger kann auf die Hand zurückweisen, die ihn führt.
Provenienz
Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Selbstreferenz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-005. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-005Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.