ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-005 · ATLAS 259

Selbstreferenz

Selbstreferenz liegt vor, wenn ein Ausdruck, Text oder System in einem bestimmten Sinn auf sich selbst Bezug nimmt.

Teil des Themenwegs Argumentation, Logik und Diskurs

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Selbstreferenz erschließt den Bezug eines Ausdrucks oder Systems auf sich selbst und verbindet Autonymie mit weiteren Formen. Selbstbezug allein impliziert weder Widerspruch noch eine paradoxe Struktur.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Selbstreferenz liegt vor, wenn ein Ausdruck, Text oder System in einem bestimmten Sinn auf sich selbst Bezug nimmt. Dabei muss angegeben werden, was als Bezugseinheit gilt: ein Satz, seine Äußerung, ein ganzes Werk oder ein formales Verfahren. Selbstbezug kann direkt oder vermittelt hergestellt werden und führt nicht notwendig zu einem Widerspruch. Eine Erzählung über das Erzählen ist ebenfalls nicht automatisch auf genau sich selbst bezogen. Im Umfeld von Paradoxon, Mise en abyme und Metafiktion hilft der Begriff daher, verschiedene Reflexionsformen auseinanderzuhalten, statt jede Metaebene als logische Paradoxie zu behandeln.

Denkbewegung

1. Bezugseinheit bestimmen. 2. Verweisstruktur rekonstruieren. 3. Direkten und vermittelten Bezug unterscheiden. 4. Aussagebedingungen prüfen. 5. Eine mögliche Paradoxie gesondert untersuchen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Literatur- und Logikanalyse können Selbstbezug und seine jeweiligen Folgen getrennt modellieren.

Beispiel

„Dieser Satz enthält fünf Wörter“ bezieht sich auf seine eigene sprachliche Gestalt; die Behauptung lässt sich durch Zählen prüfen.

Gegenbeispiel

Ein Roman über einen anderen Roman ist nicht schon deshalb selbstreferenziell.

Abgrenzung

Selbstreferenz von Metasprache, Wiederholung, Rekursion und notwendigem Widerspruch unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Selbstreferenz macht die beschreibende Form selbst zum Gegenstand.

Resonanz

Der Zeiger kann auf die Hand zurückweisen, die ihn führt.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Selbstreferenz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-005. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-005

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-005

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