ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-041 · ATLAS 259

Wahrnehmung

Wahrnehmung bezeichnet den Zugang zu Umwelt oder Körper über sensorisch vermittelte Prozesse und das damit verbundene Erleben.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Wahrnehmung ist eine notwendige Grundlage, um Weltzugang, Erleben und sprachliche Beschreibung auseinanderzuhalten. Der Vergleich mit Informationsquellenmarkierung zeigt, dass Erfahren und darüber Auskunftgeben verschiedene Leistungen sind.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Wahrnehmung bezeichnet den Zugang zu Umwelt oder Körper über sensorisch vermittelte Prozesse und das damit verbundene Erleben. Reiz, Verarbeitung, Erlebnis und Urteil sind dabei nicht einfach dasselbe. Im Qualia-Kontext interessiert besonders, wie sich etwas für eine wahrnehmende Person anfühlt; andere Untersuchungen betreffen Unterscheidungsleistung, Aufmerksamkeit oder neuronale Vorgänge. Keine dieser Ebenen beantwortet allein alle Fragen der anderen. Wahrnehmung ist zudem kein mechanisches Kopieren einer fertigen Welt: Der jeweilige Kontext kann beeinflussen, wie ein Reiz wahrgenommen wird. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Wahrnehmung beliebig oder von äußeren Bedingungen unabhängig wäre.

Denkbewegung

1. Wahrnehmungssituation bestimmen. 2. Reizbedingungen erfassen. 3. Bericht und Leistung unterscheiden. 4. Kontexteinflüsse prüfen. 5. Erklärungsniveau benennen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Experimente können subjektive Berichte und Diskriminationsleistungen unter kontrollierten Bedingungen vergleichen.

Beispiel

Dieselbe graue Fläche kann vor verschiedenen Hintergründen unterschiedlich hell erscheinen, obwohl ihre physikalischen Eigenschaften gleich bleiben.

Gegenbeispiel

Eine Fehlwahrnehmung belegt nicht, dass alle Wahrnehmungsurteile gleichermaßen unbegründet sind.

Abgrenzung

Wahrnehmung von Reiz allein, ausdrücklichem Urteil, Erinnerung und vollständiger Qualiaerklärung unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff verbindet Zugang zur Welt mit Bedingungen des Erlebens.

Resonanz

Was erscheint, entsteht in einer Beziehung zwischen Bedingungen und Wahrnehmendem.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Wahrnehmung“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-041. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-041

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-041

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