ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-044 · ATLAS 259

Wissen

Wissen wird hier vor allem als Wissen-dass im erkenntnistheoretischen Zusammenhang betrachtet.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Wissen ist eine notwendige Grundlage, um wahre Überzeugung, Begründung und verlässlichen Erkenntnisweg zu unterscheiden. Damit lässt sich prüfen, was sprachliche Gewissheitsmarker anzeigen und was sie gerade nicht nachweisen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Wissen wird hier vor allem als Wissen-dass im erkenntnistheoretischen Zusammenhang betrachtet. Die Frage lautet nicht nur, ob eine Person eine wahre Überzeugung hat, sondern wie diese zur Wahrheit gelangt und welche epistemischen Bedingungen erfüllt sind. Die traditionelle Analyse über Wahrheit, Überzeugung und Rechtfertigung bildet einen wichtigen Ausgangspunkt, gilt aber angesichts von Gettier-Problemen nicht einfach als abschließende Definition. Wissen-wie und Bekanntschaftswissen erfordern zusätzliche Unterscheidungen. Der Eintrag macht daher die Prüffragen sichtbar, ohne alle konkurrierenden Erkenntnistheorien auf eine einzige Formel zu reduzieren.

Denkbewegung

1. Wissensbehauptung präzisieren. 2. Wahrheit und Überzeugung trennen. 3. Gründe untersuchen. 4. Zufallseinflüsse prüfen. 5. Art des Wissens benennen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Erkenntnistheorie kann Gegenbeispiele nutzen, um Bedingungen vorgeschlagener Wissensanalysen zu prüfen.

Beispiel

Jemand liest eine unbemerkt stehen gebliebene Uhr genau dann ab, wenn sie zufällig richtig geht; richtige Überzeugung und verlässliche Erkenntnis fallen hier auseinander.

Gegenbeispiel

Hohe subjektive Sicherheit allein genügt nicht, um eine Wissenszuschreibung zu begründen.

Abgrenzung

Wissen von bloß wahrer Vermutung, Gewissheit, Information und ungeprüfter JTB-Definition unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff verbindet Zutreffen mit der Frage nach dem Erkenntnisweg.

Resonanz

Richtig liegen ist ein Ergebnis; Wissen fragt auch nach dem Weg dorthin.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Wissen“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-044. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-044

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-044

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