Die drei Sprachen sind Vergleichs- und Übersetzungsebenen, keine Behauptung identischer Traditionen. Historische Angaben werden entsprechend ihrem angegebenen Quellenumfang gelesen.
Ein Schriftzeichen ist kein lautloser Behälter einer reinen Idee
Deutsch
Einige Formbezüge können bildlich nachvollziehbar sein. Damit ist aber noch nicht erklärt, wie ein Zeichen im Sprachsystem gelesen wird. Yin behandelt ausdrücklich phonetische Komponenten und Lautentlehnungen; Cheung beschreibt Wörterbücher, die Gestalt, Aussprache und Bedeutung erschließen. Unsere Atlasanwendung hält deshalb drei Fragen auseinander: Was sieht ähnlich aus? Welche konventionelle Spracheinheit wird gelesen? Welche lautliche oder bedeutungsbezogene Funktion hat ein Bestandteil? Ideographie als historische Vorstellung, eine geplante Begriffsschrift und bewusst gestaltete Wort-Bildschrift werden nicht zu einer einzigen Beschreibung sämtlicher Hanzi zusammengezogen. Auch die sechs traditionellen Kategorien werden hier nicht als sechs nacheinander durchlaufene Entwicklungsstufen ausgegeben.
English
Some graphic relationships may be recognisably pictorial, but this does not yet explain how a character is read within a linguistic system. Yin explicitly discusses phonetic components and phonetic loans; Cheung describes dictionaries concerned with form, pronunciation and meaning. The Atlas comparison therefore separates resemblance, the conventional linguistic unit read, and the sound-related or meaning-related function of a component. Ideography as a historical conception, a planned concept script and deliberately designed word-image writing are not collapsed into a single account of all Hanzi. The six traditional categories are not presented here as six successive evolutionary stages.
Historische Grenze: Die Funktionsbeschreibungen sind an den gelesenen modernen Kapiteln geprüft. Eine moderne oder im Shuowen überlieferte Zerlegung beweist nicht allein den ursprünglichen Entstehungsvorgang jedes Zeichens. Keine pauschale Prozentzahl, keine neue Datierung einzelner Zeichen und kein Rückschluss auf voraussetzungslose interkulturelle Lesbarkeit.
Ein Zeichen erkennen heißt noch nicht, ein Wort verstanden zu haben
Deutsch
Yin trennt ausdrücklich Zeichenerkennen und Wortverstehen: Nicht jedes Zeichen ist ein selbstständiges Wort; mehrere Zeichen können gemeinsam ein Wort bilden. Seine Beschreibung von Strichen, Komponenten und Binnenanordnung betrifft wiederum andere Einheiten als Wort, Zeile oder ganze Seite. Für unsere Übersetzungen folgt daraus eine wichtige Ebenentrennung: gleicher sichtbarer Körper ist noch kein Beweis zweier Lexeme; verschiedene Lesungen verlangen eine eigene Wortanalyse; Schriftbild meint im Atlas die größere visuelle Leseumgebung und nicht ausschließlich die Struktur eines einzelnen Hanzi. Der Abschnitt zur Textualisierung bleibt eine Atlasanwendung über die Herstellung eines zitierbaren Textobjekts, keine empirische Aussage über das Leseverhalten aller chinesischen Leser.
English
Yin explicitly separates character recognition from word comprehension: not every character is an independent word, and several characters may form one word. His account of strokes, components and internal arrangement concerns units different from words, lines or whole pages. The translation therefore keeps levels apart. An identical visible form does not by itself prove two lexemes; different readings need an independent lexical analysis. The Atlas graphic-appearance entry concerns the larger visual reading environment, not solely a Hanzi's internal structure. The entextualisation comparison remains an Atlas application about constructing a quotable text object, not an empirical generalisation about all Chinese readers.
Historische Grenze: Die von Yin genannten Häufigkeitslisten, Prüfungsstufen und Prozentwerte stammen aus bestimmten älteren Erhebungen und Ausgaben; sie werden nicht zu gegenwärtigen universellen Leseschwellen gemacht. Die Beschreibung ersetzt keine aktuelle Normenprüfung und keine neue Untersuchung der Schriftlichkeitsgeschichte.
Umschrift bewahrt nicht automatisch die ursprüngliche Schreibweise
Deutsch
Chens Tabelle enthält 啓示 und 啓事 mit derselben Mandarin-Schreibung qǐshì. Selbst mit Tonzeichen reicht dieser lateinische String daher nicht aus, um allein daraus die ursprünglichen Zeichen eindeutig wiederzugewinnen. Kontext oder zusätzliche Angaben können helfen, ersetzen aber keine bewiesene Eineindeutigkeit des Konversionsschemas. Das ist der entscheidende Unterschied zum ISO-Beispiel des Transliterationseintrags, das erhaltene Zeichenunterschiede ausdrücklich voraussetzt. Zugleich gibt Pinyin nicht jede tatsächliche Lautveränderung wieder: Chen erläutert verkürzte Schreibungen und Erhua-Regeln. Eine alphabetische Form kann folglich normierte Lautinformation vermitteln, ohne eine enge phonetische Aufnahme oder eine reversible Zeichenumschrift zu sein.
English
Chen's table gives 啓示 and 啓事 the same Mandarin spelling qǐshì. Even with tone marks, this Latin string alone cannot uniquely recover the original characters. Context or added information may help, but they do not establish a one-to-one conversion scheme. This contrasts with the transliteration entry's ISO example, which explicitly assumes preserved character distinctions. Pinyin also does not represent every surface phonetic change: Chen discusses abbreviated spellings and erhua rules. An alphabetic form may thus communicate standardised sound information without constituting either a narrow phonetic record or a reversible character conversion.
Historische Grenze: Der Vergleich betrifft die gelesene Systembeschreibung, nicht einen neuen historischen Erstbeleg von Pinyin oder den genannten Wörtern. Die Tabellenzeichen 啓 werden so wiedergegeben, wie sie in der Quelle stehen; es findet keine stille Normalisierung zu 启 statt. Ältere Reformdebatten und Zukunftsprognosen des Kapitels werden nicht als heutige amtliche Lage übernommen.
Eine alte Erklärung ist ein historischer Beleg – aber nicht automatisch die Entstehungsgeschichte
Deutsch
Cheung stellt neben Erklärungen des Shuowen jiezi auch den Vergleich mit älteren Formen vor: Die historische Deutung eines Zeichens kann selbst wieder revisionsbedürftig sein. Für den Atlas bedeutet das: ein überlieferter Erklärungsversuch ist zunächst ein Beleg für diese Deutungstradition, nicht schon der Beweis des ursprünglichen Entwurfs. Ebenso sind Yins Schrifttafeln mit ihren Epochenüberschriften keine Datierung jedes dort abgebildeten Einzelobjekts und keine lückenlose Abstammungskette. Besonders sichtbar wird die notwendige Quellenkritik bei seiner widersprüchlichen Shuowen-Datierung: Beginn des ersten Jahrhunderts auf S.55, ungefähr 121 n.Chr. auf S.57. Wir geben dafür kein künstlich vereinheitlichtes Datum aus. Cheungs gröbere Einordnung in die Östliche Han-Zeit bleibt ausdrücklich ein modernes Sekundärreferat.
English
Cheung juxtaposes Shuowen jiezi explanations with earlier forms, showing that a historical interpretation of a character may itself need revision. In the Atlas, a transmitted explanation first documents an interpretive tradition, not necessarily the character's original design. Yin's script tables and period labels likewise date neither every individual object shown nor an uninterrupted line of descent. Source criticism becomes concrete in his inconsistent Shuowen dating: the beginning of the first century on p.55, but around 121 CE on p.57. No artificially harmonised exact date is supplied. Cheung's broader Eastern Han placement remains explicitly a modern secondary account.
Historische Grenze: Die Differenz wurde am Text und an den Seitenbildern kontrolliert. Die im Literaturverzeichnis genannte Shuowen-Ausgabe von 1963 ist eine moderne Editionsangabe und kein Entstehungsdatum des Werkes. Keine Originalausgabe oder einzelne Inschrift wurde hier neu kollationiert; es wird weder ein chinesischer Erstbeleg noch eine Erstdatierung einzelner Zeichen behauptet.
RT-CHARACTERS-2016-026 — John Jing-hua Yin: Chinese Characters. , , . Kapitel gedruckt: [51, 63]. Gelesene PDF-Seiten: [90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102]. Entire 13-page chapter read in this turn, including tables, notes and bibliography; three listed pages also checked at the image. Cited older editions were not newly read.
RT-LEXICOGRAPHY-2016-026 — Cheung Kam-Siu: Lexicography. , , . Kapitel gedruckt: [531, 544]. Gelesene PDF-Seiten: [570, 571, 572]. Three selected complete pages read; not a complete chapter reading or fresh collation of Shuowen editions.
RT-PINYIN-2016-026 — Lilly Lee Chen: Hanyu Pinyin. , , . Kapitel gedruckt: [484, 504]. Gelesene PDF-Seiten: [530, 531, 532, 533, 534, 535, 540, 541, 542]. Nine selected complete pages re-read, including relevant notes and bibliography on p.503; not a complete new reading of the chapter.