ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-028 · ATLAS 259

Interferenz

Einfluss bereits verfügbarer sprachlicher Muster auf Verarbeitung oder Gebrauch einer weiteren Sprache.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Interferenz erschließt den Einfluss verfügbarer Sprachmuster auf den Gebrauch einer weiteren Sprache. Transfer ist nicht grundsätzlich ein Fehler und muss von zufälliger Ähnlichkeit getrennt werden.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Interferenz bezeichnet hier einen störenden Einfluss bereits verfügbarer sprachlicher Kenntnisse auf den Gebrauch oder das Verstehen einer anderen Sprache. Der Herkunftsverweis Falscher Freund führt zu einem möglichen Auslöser: Ähnliche Formen können dazu verleiten, eine vertraute Bedeutung zu übertragen. Die bloße Existenz eines solchen Wortpaars beweist aber keinen tatsächlich erfolgten Einfluss. Ebenso wenig lässt sich jeder Fehler auf die zuerst gelernte Sprache zurückführen. Der Eintrag unterscheidet sprachübergreifenden Einfluss als weiteren Bereich, den hier gemeinten störenden Fall und die empirischen Belege für einen konkreten Prozess.

Denkbewegung

1. Die relevante Formähnlichkeit wird beschrieben. 2. Die beabsichtigte Bedeutung wird bestimmt. 3. Eine mögliche Übertragung wird formuliert. 4. Andere Fehlerursachen werden geprüft. 5. Erst beobachtete Daten stützen die Einflussannahme.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Vergleichsgruppen und Aufgaben mit kontrollierter Formähnlichkeit können die Transferhypothese prüfen.

Beispiel

Wer englisch eventually aufgrund von deutsch eventuell als „vielleicht“ versteht, könnte eine vertraute Form-Bedeutungs-Verbindung übertragen haben.

Gegenbeispiel

Ein Versprecher oder eine unbekannte Vokabel belegt für sich noch keinen sprachübergreifenden Einfluss.

Abgrenzung

Störende Interferenz von erleichterndem Transfer, bloßer Ähnlichkeit und allgemeinem Lernfehler unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Analyse ersetzt pauschale Fehlerzuschreibung durch eine überprüfbare Erklärung.

Resonanz

Vertrautheit kann eine Brücke bauen, deren anderes Ende an einer unerwarteten Bedeutung ankommt.

Provenienz

Uriel Weinreich: Languages in Contact, 1953 erschließt für „Interferenz“ den Bereich Interference and bilingual language contact; Terence Odlin: Language Transfer, 1989 setzt mit Cross-linguistic influence and transfer einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Einfluss bereits verfügbarer sprachlicher Muster auf Verarbeitung oder Gebrauch einer weiteren Sprache.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Interferenz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-028. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-028

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-028

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.