ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G04-024 · ATLAS 259

Patiens

Patiens bezeichnet eine semantische Rolle, die typischerweise den von einem Geschehen betroffenen Teilnehmer erfasst.

Teil des Themenwegs Semantik und Zeichen

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Patiens ist nötig, um Betroffenheit als semantische Rolle unabhängig von Subjekt oder Objekt zu beschreiben. Die Rolle ist nicht für jeden Teilnehmer gleichermaßen passend und braucht Ereignisbezug.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Patiens bezeichnet eine semantische Rolle, die typischerweise den von einem Geschehen betroffenen Teilnehmer erfasst. Bei eindeutigen Veränderungsereignissen lässt sie sich besonders anschaulich erkennen. Ihre genaue Reichweite variiert jedoch zwischen Rollenmodellen; nicht jede Theorie behandelt Wahrnehmungsgegenstände oder bewegte Dinge gleich. Die Rolle ist außerdem von grammatischen Funktionen zu trennen. Derselbe betroffene Teilnehmer kann im Aktiv als Objekt und im Passiv als Subjekt erscheinen. Im Antipassivkontext ist deshalb zu fragen, wie seine grammatische Realisierung verändert wird, ohne diese Veränderung unmittelbar mit einem Wechsel seiner Beteiligung am Ereignis gleichzusetzen.

Denkbewegung

1. Das Ereignis wird beschrieben. 2. Seine Teilnehmer werden bestimmt. 3. Art und Grad der Betroffenheit werden geprüft. 4. Das verwendete Rollenmodell wird angegeben. 5. Grammatische Realisierungen werden getrennt verglichen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Sprachvergleich kann Rollenzuordnung und syntaktische Prominenz bei Aktiv-, Passiv- und Antipassivkonstruktionen getrennt erfassen.

Beispiel

In „Mira zerbricht die Tasse“ wird die Tasse verändert. Auch in „Die Tasse wird zerbrochen“ bleibt sie der betroffene Teilnehmer.

Gegenbeispiel

Ein Akkusativobjekt ist nicht automatisch Patiens; beim Sehen muss der wahrgenommene Gegenstand keine Veränderung erfahren.

Abgrenzung

Patiens von Objekt, Passivsubjekt, menschlichem Patienten und jeder beliebigen Ereignisbeteiligung unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Trennung erlaubt, gleiche Ereignisbeteiligung in verschiedener Grammatik wiederzuerkennen.

Resonanz

Die Perspektive des Satzes wechselt, während dieselbe Tasse zerbricht.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Patiens“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-024. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-024

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-024

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.